Mobiles Tele-Augenkonsil (MTAU)

ID 35
Best-Practice Projektwettbewerb
von Siegfried Jedamzik 08.07.2015 16:14
Beschreibung:
Die Hintergründe:
Sinkende Ärztezahlen stellen uns vor neue Herausforderungen. Schätzungen zufolge soll es alleine in Bayern bis zum Jahr 2020 zu einer Versorgungsabnahme im Bereich der Augenärzte von ca. 11% kommen. Darüber hinaus führt die veränderte Altersstruktur der Patienten zu einer Zunahme von pflegebedürftigen Personen. Die Folge ist eine regional unterschiedlich stark ausgeprägte Unterversorgung im augenärztlichen Bereich.
In einer Studie* zur ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen hat sich gezeigt, dass 32% der Pflegeheime überhaupt nicht augenärztlich betreut werden. 62% der Personen mit einer Pflegestufe wünschten sich zum Zeitpunkt der Befragung eine häufigere augenärztliche Untersuchung.

Gutes Sehen im Alter ist Lebensqualität, unterstützt entscheidend die Teilhabe am Leben und ist ein wichtiger Bestandteil einer Sturzprophylaxe. Viele Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind nicht in der Lage, einen Augenarzt aufzusuchen. Deshalb ist eine eingehende mobile Untersuchung der Augen vor Ort wichtig, um ernsthafte Augenerkrankungen und schwerwiegende Sehminderungen zu verhindern.

Das Projektkonsortium:
Das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene GKV-Versorgungsstrukturgesetz soll eine zukunftssichere Versorgung gewährleisten und den oben beschriebenen Entwicklungen entgegenwirken, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten auf dem flachen Land maßgeblich zu verbessern. Seither entwickeln sich zunehmend mobile Untersuchungsansätze. Bei der Konzeption der Projektidee für das Mobile Tele-Augenkonsil stand der Einsatz moderner Versorgungsmöglichkeiten ebenfalls im Fokus, um speziell die Bedürfnisse der Zielgruppe zu berücksichtigen. Zusammen entwickelte das Projektkonsortium, bestehend aus dem Augenarzt Dr. med. Westhoff, Prof. Dr. med. Michelson (Leiter des Tele-Ophthalmologischen Instituts und der talkingeyes&more GmbH) sowie Dr. med. Jedamzik (Geschäftsführer der Bayerischen TelemedAllianz), das innovative Konzept, das seit Anfang dieses Jahres durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert wird.

Das Konzept:
Konkret stellt das Mobile Tele-Augenkonsil eine umfassende Augenvorsorgeuntersuchung für mobilitätseingeschränkte Bewohner in Alten- und Pflegeheimen dar. Hierbei kommt die sog. Optical Coherenence Tomographie in Verbindung mit einer Multispektralkamera zum Einsatz. Dabei wird neben der Sehschärfe der Augeninnendruck, der Augenvorderabschnitt und der Augenhinterabschnitt dokumentiert, elektronisch an das Tele-Ophthalmologische Institut übermittelt und dort von einem Augenarzt telemedizinisch befundet. Diese Methode kann natürlich nicht die persönliche Untersuchung durch einen Augenarzt ersetzen.

Potentielle Erblindungsursachen wie Glaukom (Grüner Star) oder Makuladegeneration (Erkrankung der Netzhaut) können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Ergibt sich bei der Untersuchung im Alten- oder Pflegeheim ein behandlungsbedürftiger Befund, behandeln kooperierende Augenärzte und Allgemeinärzte den Patienten weiter. Selbstverständlich können auch die weiterbehandelnden Ärzte auf die erhobenen Daten und Bilder digital zurückgreifen.

Die Benefits:
Ziel des Projektes ist die Entwicklung, der Zusammenbau und die klinische Testung eines mobilen, telemedizinisch-vernetzten Augenuntersuchungssystems (MTAU) für immobile Patienten in Alters- und Pflegeheimen in augenärztlich unterversorgten Gebieten als neuer Baustein in der augenärztlichen Versorgungskette. Das System kann auch in Krankenhäusern ohne eigene augenärztliche Abteilung oder in Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung eingesetzt werden. Dabei soll eine persönlich durchgeführte augenärztliche Untersuchung nicht ersetzt werden. Vielmehr soll denjenigen Patienten eine Untersuchung gewährt werden, die sonst keine erfahren würden.

Der Vorteil für die Bewohner sowie für die teilnehmenden Einrichtungen liegt damit auf der Hand: Eine Verbesserung der medizinischen Versorgung und Prävention von Erkrankungsfolgen bei maximaler Flexibilität.

Die Zukunft:
Da die Finanzierung, wie bereits erwähnt, derzeit durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sichergestellt wird, soll im Projekt ebenfalls untersucht werden, wie ein solches Versorgungsmodell in die Regelversorgung überführt werden kann. Nach der erfolgreichen Pilotierung des Mobilen Tele-Augenkonsils in Einrichtungen in Bayern sollen die daraus gewonnenen Erkenntnisse deutschlandweit als Vorbild dienen.
Schlagwörter:
Kategorien:
Thomas Bade
Würde gerne das Projekt im Rahmen einer Sonderschau im Rahmen der http://www.altenplege-messe.de vorstellen. Interessiert?
Siegfried Jedamzik
Sehr geehrter Herr Bade,

Ihr Angebot hört sich sehr spannend an. Ich würde Sie bitten, sich diesbezüglich telfonisch mit meinen Mitarbeitern der Bayerischen TelemedAllianz in Verbindung zu setzen (0841/3791639).

Beste Grüße
Siegfried Jedamzik
Sehr geehrter Herr Karl,

zunächst vielen Dank für Ihre lobenden Worte zum Projekt Mobiles Tele-Augenkonsil.

Derzeit beteiligen sich bereits 6 Pflegeheime am Projekt. Für die Akquise der Heime bestehen keine einheitlichen Standards.
Es können sich grundsätzlich alle Alten- und Pflegeheime beteiligen. Einziges Ausschlusskriterium sind bestimmte Erkrankungen der Bewohner. Für die Untersuchung ist das Mitwirken dieser unerlässlich, beispielsweise muss der Kopf ruhig in der vorgesehenen Vorrichtung gehalten werden oder den Anweisungen des Untersuchers Folge geleistet werden. Daher können unter anderem Bewohner mit Epilepsie, fortgeschrittener Demenz oder schweren motorischen Einschränkungen im Rahmen des Projektes nicht untersucht werden.

Bezüglich der Kooperationsbereitschaft ist festzustellen, dass sowohl die Heimbetreiber, als auch die Augenärzte dem Konzept sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und es bislang eine überwiegend positive Resonanz gab.

Beste Grüße
Siegfried Jedamzik
Dominik Karl
Lieber Herr Jedamzik,

Ihr Projekt ist wie ich finde ein tolles Beispiel für die Intelligente Vernetzung im Gesundheitssektor und zeigt welche Möglichkeiten mit der Digitalisierung verbunden sind - insbesondere um Versorgungsengpässe auf dem Land zu überwinden.

Deshalb würde ich sehr gerne mehr über Ihre Kooperation mit den regionalen Augenärzten und Pflegeheimen erfahren: wieviele Pflegeheime nehmen insgesamt in Bayern am MTAU teil? Gibt es einheitliche Standards nach denen die Pflegeheime ausgewählt wurden und auf welche Kooperationsbereitschaft ist man innerhalb der Pflegehime gestoßen?

Für das Teilen Ihrer Erfahrungen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Viele Grüße
Dominik Karl
Best-Practice Projektwettbewerb