Neue Technik für Münsters Schulen - Münster.Stadt.Land.Digital.Bildung.

ID 1684
Wettbewerb
von Lothar Lechtenberg 08.12.2018 14:40
Was war/ist die Ausgangssituation?:
Bereits im Jahr 2002 hat der Rat der Stadt Münster ein Konzept zur IT-Unterstützung der Pädagogikbereiche ihrer Schulen beschlossen und vom städtischen IT-Dienstleister citeq umsetzen lassen. Das Konzept basierte auf einem einheitlichen Betriebs- und Servicekonzept und sorgte so für standardisierte Technik in den Münsteraner Schulen. Es verschaffte den Schulen die Sicherheit, dass die in den Schulen installierten Systeme professionell gewartet und auch in der weiteren Zukunft noch zur Verfügung stehen würden und es entlastete die Schulen von Fragen des technischen Supports.

Nach vielen Jahren konnte das Konzept trotz laufender Fortschreibung nicht mehr alle im Laufe der letzten Jahre hinzu gekommen Bedarfe abdecken: Die moderne Pädagogik fordert heute das mobile Lernen mit schuleigenen und privaten Endgeräten im LAN und im WLAN mit breitbandigen Internetverbindungen in allen Unterrichtssituationen.

Ein Neustart und eine grundsätzliche Neuausrichtung waren erforderlich.
Was war/ist das Projekt/die Strategie?:
Auf ein vom Rat beschlossenes tragfähiges Finanzierungskonzept folgte die Neukonzeption einer modernen Bildungs-IT-Landschaft. Bei der Gestaltung orientierte sich die Stadt Münster an der Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ ( https://www.kmk.org ) und an den Rahmenbedingungen des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ebenso wichtig war bei der Konzepterstellung aber die Berücksichtigung der praktischen Erfordernisse der städtischen Schulen. Für die Ermittlung der praktischen Anforderungen wurde ein Arbeitskreis Medienentwicklungsplanung aus den Vertretern der Schulformen, des Schulträgers und des IT-Dienstleisters citeq mit regelmäßigen Sitzungsterminen eingerichtet.

In gemeinsamen Arbeitsgruppensitzungen mit den engagierten und medienaktiven Lehrkräften wurden die Anforderungen an das neue System zusammengetragen und ein funktionales Pflichtenheft als Grundlage für eine europaweite Ausschreibung erarbeitet und abgestimmt. Ziel war es, das Primat der Pädagogik (Pädagogik vor Technik) für das Miteinander zwischen den Trägern der inneren und äußeren Schulangelegenheiten mit Leben zu füllen.

Im Rahmen der auf dieser Basis erfolgten Ausschreibung hat die Bietergemeinschaft der Firmen TIME for kids Informationstechnologien GmbH und IServ GmbH überzeugt. Die Anforderungen aus dem Pflichtenheft und der Medienentwicklungsplanung wurden durch die Kombination der unterschiedlichen IT-Bausteine der Bietergemeinschaft ganzheitlich erfüllt und zum Teil sogar übertroffen.

Das System bietet umfangreiche Funktionalitäten, um den Digitalisierungsprozess der Schulpädagogik voranzutreiben und zu unterstützen:

• Sowohl die Lehrkräfte, als auch die Schülerinnen und Schüler erhalten einen Mailclient und eine Mailadresse mit städtischem Kürzel (z.B. mustermann(at)beispielschule.ms.de)
• Ressourcen wie Beamer, Medienwagen und Räume können online gebucht werden
• Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler können per WebDAV auf das persönliche Datenlaufwerk in der Schule zugreifen
• Ein zentraler und gruppenbezogener Schulkalender wird über das Netzwerkprotokoll CalDAV synchronisiert (Calender Distributed Authoring and Versioning).
• Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler erhalten einen personalisierten Stundenplan
• Lehrkräfte planen mit einem digitalen Klausurplan schulübergreifende Klausuren
• Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler erhalten ein gemeinsames Forum
• Ein vorgeschaltetes Portal mit Identity Management (IDM) sorgt für einen BSI-konformen Zugang zum Bildungsinternet mit integriertem Kinder- und Jugendschutz im LAN und WLAN sowie zu allen digitalen Lernanwendungen. Lehrkräfte, Schülerinnen, Schüler und Gäste erhalten so jeweils eigene Zugänge.

Sämtliche Services sind über eine zentrale Internetseite von unterwegs oder auch mobil per App erreichbar. Lehrkräfte können Endgeräte flexibel administrieren und ohne großen Aufwand mit Software betanken.

In dem bisherigen Roll-out wurden vor allem die erforderlichen Grundfunktionen bereit gestellt. Weitere Funktionen sind vorbereitet und werden im Laufe des Jahres 2019 den individuellen Wünschen der Schulen entsprechend zugeschaltet.

Neben den Funktionen zur Digitalisierung der schulischen Prozesse wurde auch der Grundstein für die Bereitstellung eines flächendeckenden WLAN mit einer Unterstützung privater Endgeräte geschaffen.

Die technische Unterstützung mehrerer Internetanschlüsse hat die Bandbreite in den Schulstandorten binnen elf Monaten um circa 3 Gbit/s erhöht – ein wichtiger Schritt zur weiteren Digitalisierung der städtischen Schulen.
Zur Konzeption und IT-Umsetzung veränderte die citeq ihre Organisation im Bereich Schul-IT. Anstelle der bisherigen Aufbauorganisation mit Kundenberatung und IT-Spezialisten für Server, Netze und Clients ist jetzt ein Kompetenzzentrum citeq(at)school tätig. So hat jede Schule einen festen Ansprechpartner erhalten, der für sämtliche Schulbelange rund um die IT zuständig ist.
Die Einrichtung des Teams citeq(at)school hat sich in der Praxis bewährt. Die Arbeitserledigung ist effektiver, die Kommunikation direkter. Ein großer Teil der Absprachen und Klärungen erfolgt im direkten Dialog zwischen den Lehrerkräften und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Teams.
Durch die Umsetzung des Projektes und die Organisationsanpassung konnte die Kundenzufriedenheit deutlich gesteigert werden.
Die in diesem Projekt zur Wirkung kommende Strategie wird analog auch in anderen, vorwiegend interkommunalen Projekten gelebt. Siehe:
Münster.Stadt.Land.E-Government: https://www.oip.netze-neu-nutzen.de
Münster.Stadt.Land.Digital.Strategie: https://www.oip.netze-neu-nutzen.de
Welchem Anwendungssektor ordnen Sie ihren Beitrag zu?:
Das Projekt ist dem Anwendungssektor „digitale Bildung und Vernetzung in Schulen“ zuzuordnen.
Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Bevölkerung?:
In der heute für sie günstigen Arbeitsmarktlage treffen qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer persönliche Entscheidungen für oder gegen einen Standort vermehrt über weiche Faktoren. Zu diesen weichen Faktoren zählt in vielen Fällen auch die Frage, in wieweit die IT-Ausstattung der öffentlichen Schulen den aktuellen technischen und pädagogischen Anforderungen entspricht. Auch Unternehmen lassen sich bei der Entscheidung für Firmenstandorte von weichen Standortfaktoren beeinflussen. Die Bevölkerung insgesamt profitiert von einer prosperierenden Stadt, die bei jungen Familien und Unternehmen eine hohe Attraktivität genießt.
Die aktuelle IT-Ausstattung, welche die citeq gemeinsam mit engagierten Lehrerinnen, Lehrern und dem Schulträger erarbeitet hat, trägt zum Prosperieren der gesamten Region bei. Das Münsteraner Projekt wirkt heute so bereits über die Stadtgrenzen hinaus: Mehrere Kommunen aus dem Umland von Münster haben sich das System bereits angesehen und stehen in den Überlegungen, es eventuell in ihren Schulen in interkommunaler Zusammenarbeit gemeinsam mit der citeq einzuführen.
Wie sah/sieht der Projektzeitplan und Finanzierungsbedarf aus?:
Der Rollout der Systeme in die 79 Schulen wurde Anfang 2018 gestartet und konnte am 30.11.2018 abgeschlossen werden: https://www.kommune21.de
Damit verfügen die Münsteraner Schulen bereits heute über eine hochwertige Technikausstattung.
Der Digitalisierungsprozess ist hiermit jedoch längst nicht zu Ende.
Im Jahr 2019 erhalten sämtliche Schulstandorte flächendeckende WLAN-System, die von den stadtseitig zur Verfügung gestellten Endgeräten, aber auch von den Eigengeräten von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern verwendet werden können.
Kurzfristig ist die Ausstattung sämtlicher Grundschulen mit mindestens einem Klassensatz iPad-Endgeräten geplant, die über ein Mobile Device Managementsystem zentral administriert werden.
Sämtliche Schulen wurden (55 Schulstandorte) und werden kurzfristig (24 Schulstandorte) mit eigenen schnellen Internetanbindungen ausgestattet. Zusätzlich werden sämtliche Schulen voraussichtlich bis Ende 2020 an das stadteigene Lichtwellennetz angebunden. Dieser Breitbandzugang wird hauptsächlich für die Schulverwaltung, die IT-Dienste der citeq sowie den Datenverkehr eines öffentlichen WLAN-Netzes genutzt, welches in den Schulen in den unterrichtsfreien Zeiten ausgestrahlt wird. Darüber hinaus dient es als Ausfallvorsorge für den Fall, dass einer oder mehrere der dezentralen Internetanbindungen in den Schulen einmal ausfallen sollten.
Die von der Stadt Münster getragenen jährlichen Betriebskosten für die technische Infrastruktur und die Endgeräte liegen in einem einstelligen Millionenbereich. Die Finanzierung erfolgte aus diesen Finanzmitteln. Weiterhin wurden und werden Fördermittel von Land und Bund für diesen Prozess investiert.
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Wettbewerb "Stadt.Land.Digital"