ECOMAT - die persönliche Grüne Welle

ID 1618
Wettbewerb
von Dirk Heuser 05.12.2018 19:05
Was war/ist die Ausgangssituation?:
Lichtsignalanlagen (LSA) tragen in Städten wesentlich zur sicheren und leistungsfähigen Abwicklung des Oberflächenverkehrs bei und setzen dabei die verkehrspolitischen Vorgaben in den konkreten Verkehrsablauf um. Entscheidend für ein funktionierendes Verkehrssystem ist in modernen Städten ein attraktiver Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) mit verkehrsabhängigen Ampelsteuerungen für Busse und Straßenbahnen.
Die Flexibilität, die an LSA notwendig ist, um Busse und Straßenbahnen (mit oft über 100 Fahrgästen) zu bevorrechtigen und den ÖPNV attraktiv zu machen, steht dabei im Zielkonflikt zu Grünen Wellen, die einen möglichst effizienten Ablauf des motorisierten Individualverkehrs mit stabilen Grünfenstern sicherstellen soll. Zukunftsorientierte Städte sehen sich oft Beschwerden über die schlechte Qualität der Grünen Wellen ausgesetzt, bis zum Vorwurf der bewussten Verschlechterung.
Was war/ist das Projekt/die Strategie?:
Hier setzt unser ECOMAT an. Er ist eine Smartphone-App, die Autofahrer vor der Fahrt - ähnlich wie eine Navigations-App - im Sichtfeld anbringen, und die ihnen Empfehlungen für die energieeffiziente und vorausschauende Fahrt durch Grüne Wellen gibt. Die Empfehlungen basieren auf der Cloud-basierten Auswertung von Realtime-Daten des Verkehrssteuerungssystems mittels Machine-Learning-basierter Prognoseverfahren.
Die wichtigste Innovation stellt dabei der Umgang mit der Flexibilität der Ampelsteuerungen dar, die eine genaue Prognose der Schaltzeiten prinzipbedingt behindert und bisher dazu geführt hat, dass es in Deutschland keine in der Praxis eingesetzten Ampelphasenassistenten gibt. Auf Basis der Analyse potentieller Assistenzfunktionen in Fahrzeugen wurde ein Prognosekonzept entwickelt, das besonders für den Einsatz an verkehrsabhängigen Signalanlagen geeignet ist.
Der ECOMAT nutzt diese Prognose, um jedem einzelnen Autofahrer über Fahrempfehlungen in Abhängigkeit von seiner aktuellen Geschwindigkeit und dem Abstand zur Kreuzung ein vorausschauendes und entspanntes Fahren zu ermöglichen.
Welchem Anwendungssektor ordnen Sie ihren Beitrag zu?:
Wir sehen den ECOMAT als Teil einer zukunftsorientierten Mobilität, die Verkehrsträger integriert, statt sie gegeneinander auszuspielen. Je nach Sichtweise kann er als Teil eines erweiterten Verkehrsmanagements gesehen werden. Wir sind allerdings der Auffassung, dass Smart Mobility eng mit der Digitalisierung einer Stadt verbunden und als Teil des wesentlich umgreifenderen Konzepts einer Smart City zu sehen ist, da ein zentrales Motiv die Wiederverwendung bereits vorhandener Daten und die Schaffung von Mehrwerten für die Bevölkerung aus der Digitalisierung der städtischen Infrastruktur sind.
Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Bevölkerung?:
Eine Stadt kann den ECOMAT ihren Bürgern als intelligente Maßnahme zur Verkehrsverflüssigung bereitstellen. Geschieht dies in Verbindung mit geeigneter Öffentlichkeitsarbeit, etwa wegen einer besonders von Verkehrsproblemen betroffenen Einfallstraße, kann mit geringem Aufwand eine große Zahl an Verkehrsteilnehmern adressiert werden. Bisherige Untersuchungen in Forschungsprojekten zeigen, dass bereits bei niedrigen zweistelligen Ausrüstungsgraden günstige Effekte auf Verkehrsablauf und Schadstoffausstoß erreicht werden.
Der ECOMAT ermöglicht auf diese Weise nicht nur eine persönliche Grüne Welle bei der Fahrt durch die Stadt, sondern verbessert auch die Verkehrsqualität, reduziert den Ausstoß von Luftschadstoffen und trägt seinen Teil zur Befriedung des Zielkonflikt zwischen einem zukunftsorientierten ÖPNV und stabilen Grünen Wellen bei.
Wie sah/sieht der Projektzeitplan und Finanzierungsbedarf aus?:
Der erste Einsatz der App wird ab dem 2. Quartal 2019 in Darmstadt im Rahmen der Digitalstadt-Aktivitäten stattfinden. Die für die App notwendigen Daten aus dem Verkehrsrechnersystem und die Prognosealgorithmen stehen bereits seit längerem zur Verfügung, die App wird zur Zeit entwickelt. Weitere Einsätze sind bereits in den USA und in verschiedenen Forschungsprojekten geplant, zum Beispiel im Rahmen des vom BMVI geförderten mFUND-Projektes CITRAM in Chemnitz, Hamm und Krefeld. In CITRAM wird die App mit weiteren Funktionalitäten von 52N und anderen Partnern ergänzt, um Autofahrer und -fahrerinnen noch stärker zu einem entspannten und umweltschonenden Fahren zu motivieren (symbolische Abbildung).
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Wettbewerb "Stadt.Land.Digital"