Digitalstadt Darmstadt - eine vernetzte Plattform für Stadt, Bürger und Unt...

ID 1505
Wettbewerb
Was war/ist die Ausgangssituation?:
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt entwickelt sich zu einer Smart City mit dem Titel „Digitalstadt Darmstadt“ und hat dabei den Anspruch, Modellstadt für Deutschland und Leuchtturm für Europa zu werden. Dieser Anspruch soll dadurch erfüllt werden, dass in 14 Projektbereichen, technisch wie persönlich eng verzahnt, eine Entwicklung intelligenter und vernetzter Infrastrukturen gelingt. Dafür wird auf eine enge Kooperation zwischen Stadtverwaltung und Stadtwirtschaft gesetzt und auf die Unterstützung zahlreicher weiterer Unternehmen.

Die bestehende IT-Infrastruktur wird in Darmstadt bisher, wie in vielen anderen Städten, durch voneinander getrennte Systeme mit unterschiedlichen Architekturen bestimmt. Dennoch ist die Verknüpfung dieser Systeme untereinander nicht geplant und häufig nicht möglich.

In Darmstadt soll daher eine zentrale Datenplattform geschaffen werden, die im Sinne einer integrierten Infrastruktur Daten und Systeme der Stadtwirtschaft und der Stadtverwaltung koordiniert und mit dem entstehenden Internet der Dinge verknüpft. Das Internet of Things, kurz IoT, spielt dabei eine große Rolle, da es bisher keine übergreifende Möglichkeit gibt, Messwerte und andere Daten von IoT-Sensoren und anderen Geräten einer übergreifenden Analyse und Verwertung zuzuführen. Ein Mehrwert entsteht dann, wenn über einzelne Daten hinaus Zusammenhänge und Erkenntnisse gewonnen werden können. Beispielsweise wird eine Kameraaufzeichnung des Straßenverkehrs zum Zwecke der Verkehrsverflüssigung durch Kombination mit Umweltwerten aus Messstationen bedeutendere Erkenntnisse bringen als ihre isolierte Betrachtung.
Was war/ist das Projekt/die Strategie?:
Die zentrale Datenplattform soll als Basis für eine Vielzahl von Vorhaben aus dem Projektportfolio der Digitalstadt dienen und besonders die Anbindung von IoT-Devices an die Infrastruktur ermöglichen. Sie vereinfacht darüber hinaus die Kommunikation zwischen Bürgern, Stadt und Unternehmen und bietet durch starke Verschlüsselung Datensicherheit und Vertraulichkeit.
Die Nutzung der Daten aus dem Internet of Things ist dabei nur der Startpunkt. Gleichermaßen sollen auch die digitalen Dienstleistungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt für die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen über die zentrale Datenplattform verfügbar gemacht werden. Ziel ist es, integrierte Services bei maximaler Datenkontrolle für den Nutzer zu bieten unter Beachtung höchster IT-Sicherheitsstandards. Der Nutzer kann zukünftig selbst entscheiden, ob er mit seiner Neuanmeldung in der Stadtverwaltung gleichzeitig ein Jahresticket für den ÖPNV erwirbt, seinen Stromanschluss anmeldet oder kulturelle Angebote der Stadt nutzen möchte. Er hat aber die komfortable Möglichkeit es zu tun und dabei zu wissen, wer welche Daten von ihm nutzt.

Die wichtigsten Eigenschaften der Datenplattform sind damit
• die Generierung übergreifender Datenflüsse durch Anbindung von Bestandssystemen
• die Einbindung von IoT-Devices zur Sammlung und Analyse städtischer Daten
• das Anbieten von übergreifende Analyse- und Visualisierungsmöglichkeiten für alle Beteiligte
• Sicherstellung von Datenschutz und Datensicherheit
Welchem Anwendungssektor ordnen Sie ihren Beitrag zu?:
Internet-of-Things
Integration von Informationssystemen
Einsatz von Big Data und Künstlicher Intelligenz
Verwaltung, Handel, Umwelt, Mobilität, IT-Infrastruktur, Energie, IT-Sicherheit, Bildung, Gesellschaft, Sicherheit- und Katastrophenschutz
Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Bevölkerung?:
Die Mehrwerte, die für die Bürger durch die Implementierung der zentralen Datenplattform geschaffen werden, sind vielseitig und zeigen sich am deutlichsten in den Anwendungsfällen, die erst durch die Plattform möglich werden.

Im Folgenden werden sechs typische, bereits konzeptionierte und geplante Anwendungsfälle beschrieben:

• Smart Waste
Füllstandsensoren in Müllcontainern erlauben die optimierte Routenplanung der Entsorger im Stadtgebiet. Zusatznutzen wird durch weitere Sensoren (Öffnungsmelder, Temperaturfühler) erzeugt, ebenso durch die Anwendung in Abwasserkanälen und Überflutungsbecken.
• Smart Lighting
Gezielte Steuerung der Beleuchtung zur Optimierung von Sicherheit und Energieeffizienz, kombiniert mit Sensoren zur Erfassung von Verkehrs- und Fußgängerströmen, Luftqualität und anderen Daten.
• Smart Parking
Parkplatzmanagement, Unterstützung bei der Parkplatzsuche und Bezahlfunktion für Parkgebühren, die Parkplatzauslastung wird durch Sensoren erfasst.
• Smart Traffic
Kombination von Verkehrsinformationen mit Baustelleninfos und Luftqualität zur aktiven Verkehrslenkung, damit einhergehend Visualisierung der Ergebnisse und das Anbieten von Assistenzsystemen. Weitere Einflussgrößen sollen ebenfalls einbezogen werden, dazu gehören Klimadaten, Wettervorhersagen, Daten des ÖPNV und weitere Einflüsse. Aufbauend auf der Anbindung der Datenquellen an die Datenplattform werden mit Analyseservices Grundlagen für weitreichende Vorhersage- und Risikomodelle geschaffen, die der Verkehrsleitzentrale und dem Verkehrsleitrechner automatisch zur Verfügung gestellt werden.
Weitere neue Anwendungsfälle werden in der Zukunft u.a. folgende Anforderungen an die Plattform stellen:
• Sichere Speicherung von Daten der Bürgerinnen und Bürger sowie der Verwaltung für die Erledigung von Behördengängen, die Abrechnung von Dienstleistungen und die Bereitstellung gezielter Informationen
• Anbindung von Systemen der Darmstädter Wirtschaft, Hochschullandschaft und Start-Ups für die Nutzung der Sensornetzwerke und anderen Datenquellen
• Anbindung der Systeme der Stadtwirtschaft, um die Daseinsvorsorge effizient steuern u. den Bürgern/Wirtschaft zur Verfügung stellen zu können
• Einbindung des Gesundheitsbereiches mit entsprechenden Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz
Wie sah/sieht der Projektzeitplan und Finanzierungsbedarf aus?:
Die Architekturbeschreibung und Konzeption der Datenplattform erfolgten vom Frühjahr bis Herbst 2018 als Vorbereitung für eine europaweite Ausschreibung. Nach ihrem Abschluss soll im April 2019 die Implementierung und Integration in die bestehende IT-Landschaft Darmstadts beginnen, zeitgleich mit der Umsetzung erster Anwendungsfälle. Die Finanzierung des Vorhabens ist gesichert durch die Förderung des Gesamtvorhabens Digitalstadt durch das Land Hessen und Pro-Bono-Leistungen verschiedener Unternehmen. Das Ende der Implementierungsphase der initialen Ausbaustufe ist für 2020 vorgesehen.
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Ludwig Hanisch
Hallo Herr da Torre Suárez,

es hört sich so an, als würde ihr Engagement die Komplexität bürokratischer Prozesse verringern und gleichzeitig für mehr Transparenz für die Userinnen und User innerhalb dieser sorgen. Sehe ich das richtig? Falls ja, könnten Sie ein wenig genauer darauf eingehen, wie dies von Statten geht?

Viele Grüße,

Ludwig Hanisch
Devin Dienes
Hallo Herr Hanisch,

zur Digitalisierung und Beschleunigung von Behördengängen wurde in Darmstadt in diesem Jahr das Servicekonto für Bürger eingeführt (weitere Informationen sind u.a. hier zu finden: http://www.digitalstadt-darmstadt.de ). Die Datenplattform soll zukünftig weitere Funktionen des Portals ermöglichen, es jedoch nicht ersetzen.
Wettbewerb "Stadt.Land.Digital"