Telepräsenzlernen an Grundschulen im Gebiet des Landkreises Elbe-Elster

ID 1420
Wettbewerb
von Sven Guntermann 27.11.2018 14:14
Was war/ist die Ausgangssituation?:
Schulen fungieren als soziale Orte der Bildung, der Kommunikation und des Generationen übergreifenden Miteinanders von Kindern und Menschen (Eltern, Großeltern, Vereinen) in den Orten. Schulen spielen eine wichtige Rolle für die Attraktivität der Orte als Wohn- und Lebensstandort.
Sinkende Schülerzahlen führten jedoch vor einigen Jahren zunehmend zur Schließung ländlicher Schulen in kleineren Orten.
Was war/ist das Projekt/die Strategie?:
Die Initative für das Projekt ging von der damaligen Amtsdirektoren Iris Schülzke (Schlieben, bis 2014) aus. Projektträger ist die Leader-Aktionsgruppe Elbe-Elster.
Ergänzend zum bestehenden Schulangebot werden an 13 Grundschulen im LAG-Gebiet mittels Telepräsenzsystemen modellhaft neue Formen des Lehrens und Lernens eingeführt. Unterricht (Bild, Ton) oder Teile von Unterricht werden unter Nutzung von IT-Systemen übertragen. Dafür wurden drei Anwendungsszenarien entwickelt: a) Fachvertretung bei Erkrankung und ergänzer Fachunterricht b) Teilnahme zeitweise verhinderter Schüler am Unterricht (Krankheit, Reha) und c) dezentrale Fachkonferenzen/Lehrer-Fortbildungen, so dass lange Fahrzeiten entfallen. Das Lernmanagementsystem erschließt Synergien im gemeinsamen Zugriff auf Unterrichtsmaterialen. Medienkompetenz von Lehrern und Schülern wird gefördert. Die IT-Infrastruktur soll zukünftig für die außerschulische Bildung von Erwachsenen erschlossen und so vereinfachte Zugänge (weniger Wege- und Zeitaufwand) zu Bildungs- und Wissensangeboten, Medienbildung und -kompetenz im dünn besiedelten ländlichen Raum für die breite Bevölkerung geschaffen werden.
Welchem Anwendungssektor ordnen Sie ihren Beitrag zu?:
Bildung, insbesondere Medienbildung, Medien(früh)erziehung und Medienkompetenz von Jung bis Alt für Zwecke der lebensweltlichen (schulischen) Bildung sowie Fortbildung (Mitgestaltung, Mitwirkungsoptionen).
Zielgruppen sind insbesondere Schülerinnen und Schüler der Grundschulen und das Lehrpersonal, wobei die installierte IT-Infrastruktur zukünftig für weitere Nutzergruppen außerschulisch genutzt werden soll, wie etwa Senioren, Menschen mit gesundheitlich bedingten Mobilitätseinschränkenungen u.ä.
Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Bevölkerung?:
Das Modellvorhaben leistet einen Beitrag zur zukünftigen Gestaltung von Bildungsangeboten im dünn besiedelten ländlichen Raum.
Es befördert schulübergreifende Lehr- und Lernformen, ergänzend zum bestehenden Schulangebot, fördert die Medienbildung und -kompetenz von Schülern und Lehrern und dabei insbesondere um grundlegende und auch kritische Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang und in der Anwendung neuer, digitaler Medien in der schulischen und außerschulischen Wissensaneignung.
Die geplante Erweiterung auf non-formale, außerschulische Bildungsangebote ermöglicht den vereinfachten Zugang (Wege-, Zeitaufwand) und die Teilhabe von Menschen in ländlichen Orten, wie Senioren- und Erwachsenenbildung, Begabtenförderung, Absicherung bei Inklusion. Nicht zuletzt konnte mit dem Projekt die Kommunikationsinfrastruktur von dezentralen Bildungseinrichtungen in ländlichen Orten, insbesondere für eine multifunktionale Nutzung, verbessert werden. Die Einbindung moderner Medien bietet so neue Chancen für die Standortattraktivität ländlicher Regionen.
Wie sah/sieht der Projektzeitplan und Finanzierungsbedarf aus?:
Bisher erfolgte die Förderung des besonderen Modellprojektes über EU- und Bundesmittel im Rahmen regionaler Schwerpunkte (Leader und Land(auf)Schwung). Unterstützung erfolgte zudem durch die Sparkassenstiftung Elbe-Elster. Konstruktive fachliche Abstimmungen erfolgten mit dem Bildungsministerium Brandenburg und dem Staatlichen Schulamt im Fachbeirat.
Die Projektumsetzung läuft seit Mai 2013. Teil 1 umfasste die Analyse, Qualifizierung des
Lehrpersonals und Transfer zwischen den Schulen, Teil 2 umfasste investive Maßnahmen in
IT-Technik (Telepräsenz, Lernmanagementsystem etc.), Ausstattung und erforderliche bauliche Maßnahmen in den Räumen.

Im Modellzeitraum konnten nicht sämtliche, aus fachlicher Sicht eigentlich nötigen Fragestellungen soweit umgesetzt bzw. implementiert werden, wie z.B. die Fortbildung der Anwender/Lehrenden, aber auch der erforderlichen Begleitung der Akteure in medientechnischen, pädagogisch didaktischen und organisatorischen Fragen über die einzelne Schule/den einzelnen Standort hinweg. Da in der Regel die (kleinen) Kommunen im ländlichen Raum selbst begrenzte personelle Kapazitäten haben bzw. erforderliches Know-how nicht vorhalten können, sind hier weitere Entwicklungen und Partnerschaften erforderlich, die auch über die einzelne Region hinaus geht. Andererseits müssen Machbarkeiten und Praktikabilität aufgrund der „weiten Fläche“ und Distanzen für die Adressaten gewährleistet werden, um Teilnahme überhaupt abzusichern.
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Ludwig Hanisch
Hallo Frau Guntermann,

spannend! Frühzeitige, digitale Bildung halte ich für unabdingbar. Wie nehmen die jungen Grundschulkinder die Abwesenheit eines "analogen" Lehrbeauftragten auf? Wie schätzen Sie diesbezüglich vor allem pädagogische Implikationen ein?

Viele Grüße,

Ludwig Hanisch
Wettbewerb "Stadt.Land.Digital"