simpleLoc - Indoor-Lokalisierung für Würzburg

ID 1364
Wettbewerb
von Toni Fetzer 23.11.2018 16:30
Was war/ist die Ausgangssituation?:
Eine Stadt findet nicht nur in Ihren Parks, Ihren Straßen und Ihren Fußgängerzonen statt, sondern auch in Ämtern, Rathäusern, Museen, Kirchen und anderen öffentlichen Gebäuden. Wo sich außen mit satellitengestützten Verfahren wie GPS oder Galileo eine Stadt ganz wunderbar erkunden lässt und effizient zu Sehenswürdigkeiten oder Adressen navigiert, so gibt es noch heute kaum Ansätze für eine Lokalisierung und Navigation innerhalb von Gebäuden. Dabei ermöglicht das Wissen über die aktuelle Position so viele spannende Anwendungsszenarien. Angefangen mit schnelleren Behördengängen, über digitale Stadt- und Gebäudeführer bis hin zu einer deutlich verbesserten Barrierefreiheit.
Was war/ist das Projekt/die Strategie?:
Im Rahmen der Smart City Initiative der Stadt Würzburg ist eine Kooperation mit dem Steinbeis-Transferzentrum New Media and Data Science und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt entstanden. Ziel ist es, die innovative Technologie „simpleLoc“ von einem renommierten Forschungsprojekt hin zu einer breiten Lösung für alle Bürger und Besucher Würzburgs zu entwickeln. Als erstes Pilotprojekt wird hierfür das Würzburger Rathaus, inklusive der dortigen Ämter und Bürgerbüros, mit der entsprechenden Technologie ausgestattet und eine mobile App zur Lokalisierung und Navigation innerhalb des Gebäudes für Mitarbeiter und Besucher zur Verfügung gestellt. In einem iterativen Verfahren werden die Bedürfnisse der Benutzer dann analysiert und fließen direkt in die Verbesserung der Anwendung. Einen klaren Mehrwert durch Lokalisierung und Navigation zu erschaffen, steht an erster Stelle.

Die eingesetzte Lösung „simpleLoc“ bietet viele Vorteile, vor allem für den öffentlichen Betrieb. Besonderer Wert wird beispielsweise auf den Datenschutz und die uneingeschränkte Nutzbarkeit gelegt. Es besteht keine Verbindung zu einem Server, alle Berechnungen werden lokal auf dem Smartphone des Benutzers ausgeführt, was eine Lokalisierung auch ohne Verbindung zum Internet ermöglicht. Die Installation sowie die spätere Wartung sind durch intelligente Algorithmen minimal gehalten und von Laien sehr einfach durchführbar. Hierbei müssen keine aufwendigen Vermessungsarbeiten des Gebäudes und der Infrastruktur durchgeführt werden, lediglich eine Gebäudekarte (bspw. ein Fluchtplan) reicht als Grundlage für alle Berechnungen aus. Das Kartenmaterial bleibt stets in der Kontrolle der Betreiber, kein amerikanischer IT-Großkonzern ist involviert. Diese Unabhängigkeit ist wichtig, um das Angebot für Betreiber und Bürger langfristig zu erhalten. Die Berechnung der aktuellen Position basiert dann auf einer probabilistischen Kombination unterschiedlicher Sensoren, auch Sensor Fusion genannt. Ein technologischer Überblick ist in den Anhängen oder auf http://www.simpleloc.de zu finden.
Welchem Anwendungssektor ordnen Sie ihren Beitrag zu?:
Das Wissen über die aktuelle Position innerhalb eines Gebäudes ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlichster Anwendungsszenarien. Es können effizientere Behördengänge sein, in denen eine Eingabe des gewünschten Themengebietes (bspw. Führerscheinstelle) eine direkte Routenführung über das Smartphone zum gewünschten Raum anbietet. Besonders aber auch im Tourismus bietet die sog. Indoor-Lokalisierung großes Potential. Denkbar werden digitale Stadtführungen, welche nicht mehr an den Türen von Sehenswürdigkeiten aufhören, sondern einen fließenden Übergang zwischen draußen und drinnen ermöglichen. Davon können nicht nur die Touristen profitieren, sondern auch die jeweiligen Museen, welche durch ein digitales Angebot ganz neue Zielgruppen ansprechen. Des Weiteren erlaubt eine Lokalisierung ganz praktische Betrachtungen, wie die Frage nach dem kürzesten Fluchtweg oder einer besser verteilten Wegführung bei starker Auslastung. Schließlich kann ein solches System auch einen großen Beitrag zur Inklusion Blinder, Sehbehinderter und mobil eingeschränkter Mitbürger leisten.
Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Bevölkerung?:
Abgesehen von den obigen Anwendungsszenarien, bietet eine App zur Navigation und Lokalisierung in Gebäuden vor allem eine erhöhte Effizienz und Flexibilität durch Selbstbestimmung. Wo beispielsweise vorher in einem Museum eine lineare Informationsvermittlung durch Rundgänge oder Führung stattgefunden hat, erlaubt das Wissen über die aktuelle Position ganz neue und vor allem individuelle Ansätze Kultur und Kunst zu erleben. Seien es spielerische Möglichkeiten wie eine digitale Schnitzeljagd mit Quiz und Puzzles, individuell definierte Interessen, die nur das zeigen was mich wirklich interessiert oder einfach ein ganz freies Entdecken einer Sehenswürdigkeit. Man bekommt immer die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das gilt natürlich für eine Vielzahl an Gebäuden und Lebenssituationen. Wo steht das Auto im Parkhaus? Welcher Ausgang aus dem Bahnhof ist der Richtige? Wie komme ich am schnellsten zur KFZ-Zulassungsstelle? Dies sind nur einige ganz alltägliche Fragestellungen, die durch eine Positionsbestimmung leicht beantwortet werden können. Selbstbestimmung bedeutet für viele Menschen nicht nur eine individuellere Lebensgestaltung, sondern auch oft, den Alltag mit Freude bewältigen zu können. Hier kann eine solche Technologie ganz neue Akzente setzen.
Wie sah/sieht der Projektzeitplan und Finanzierungsbedarf aus?:
Die Finanzierung für das Pilotprojekt Rathaus findet im Zuge der Smart City Strategie der Stadt Würzburg statt und wird von dieser getragen. Dazu zählt die Entwicklung der mobilen Applikation zur Lokalisierung und Navigation, die Einführung und Bereitstellung im Rathaus, sowie eine daraus resultierende Bedürfnis- und Nutzungsanalyse. Die erste Vorstellung des Projektes fand vor den Verantwortlichen der Stadt Würzburg bereits Anfang November in einer Kickoff-Präsentation statt. Im Rahmen der Würzburg Web Week 2019, welche vom 01. bis 08.04.2019 stattfindet, wird die lauffähige Anwendung einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und die ersten Ergebnisse präsentiert. Eine großangelegte Pilotphase mit anschließender Analyse ist für Mitte 2019 geplant. Basierend auf diesen Analysen und gemachten Erfahrungen sollen dann gesamtheitliche Konzepte für die jeweiligen Anwendungsszenarien erarbeiten und in Folgeprojekten umgesetzt werden. Besonders die Themengebiete Inklusion und Tourismus stehen bereits jetzt im Fokus erster Gespräche.
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Ludwig Hanisch
Hallo Herr Fetzer,

Ihr Beitrag klingt sehr vielversprechend. Ich musste intuitiv vor allem auch an Vorteile für Menschen mit Handicap denken. Ihre Lösung könnte meiner Meinung nach gerade im Bereich Barrierefreiheit einige Vorteile offerieren.

Viele Grüße,

Ludwig Hanisch
Toni Fetzer
Guten Tag Herr Hanisch,

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die Verbesserung der Barrierefreiheit ist eines der Kernthemen und wir wollen im laufenden Projekt vor allem verstehen, welche Bedürfnisse vorliegen. Unterschiedliche Handicaps erfordern oft auch unterschiedliche Betrachtungsweisen. Bei Rollstuhlfahrer würde sich beispielsweise eine alternative Routenführung ohne Treppen sehr leicht umsetzen. Für Menschen mit Blindheit oder starker Sehschwäche sind Audiokommentare und feste Ankerpunkte vermutlich ein vielversprechender Ansatz. Uns ist wichtig, eine ganzheitliche Lösung zu erschaffen.

Viele Grüße,
Toni Fetzer
Wettbewerb "Stadt.Land.Digital"