U_Code - Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung und bei Großprojekten

ID 1115
Wettbewerb
von Frank Bösenberg 29.10.2018 15:31
Was war/ist die Ausgangssituation?:
Stuttgart 21, Elbphilharmonie Hamburg oder Dresdner Waldschlösschenbrücke – große Bauprojekte bergen oft riesiges Konfliktpotenzial. Gegensätzliche Interessen von Anwohnern, Umweltschützern, Wirtschaftsvertretern oder Politikern prallen aufeinander. Fühlt sich die Bevölkerung nicht ausreichend an Planungsprozessen beteiligt, können massive Proteste, Klagen und Verzögerungen die Folge sein. Das europaweite Forschungsprojekt unter Federführung des TU Dresden WISSENSARCHITEKTUR Laboratory of Knowledge Architecture (Prof. Dr.-Ing. Jörg Rainer Noennig) entwickelt Methoden und Prozesse unter Nutzung neuer Technologien, die die Einbeziehung der breiten Öffentlichkeit ermöglichen und so Eskalationen verhindern helfen. Wissenschaftler vom Medienzentrum, dem Dresden Center for Digital Linguistics und dem Laboratory for Knowledge Architecture arbeiten dabei mit akademischen Partnern von der TU Delft und dem ISEN Toulon, mit den Firmen gmp Gerkan, Marg & Partner, Aconey und Optis wie auch mit dem Silicon Saxony Cluster zusammen.
Was war/ist das Projekt/die Strategie?:
Die Vision, die hinter dem Forschungsprojekt „U_CODE: Urban Collective Design Environment“ steht, setzt früh an - bevor die Bevölkerung mit fertigen Plänen konfrontiert wird. Es soll ein virtueller Raum entstehen, in dem sich Planungsexperten und Bevölkerung treffen und austauschen. Jeder – und das können bei massiver Beteiligung durchaus tausende Bürger sein – soll so die Möglichkeit bekommen, seine Ideen einzubringen und die Vorschläge anderer zu diskutieren. Im Idealfall lassen sich daraus Pläne entwickeln, die auf einem breiten gesellschaftlichen Konsens fußen. Ein Beispiel: Es gibt ein freies Areal wie in Berlin-Tempelhof. Die Bürger können online ihre eigenen Pläne gestalten und so visualisieren, wie sie sich eine künftige Bebauung und Nutzung vorstellen, und diese mit Planern und Architekten weiter entwickeln. Alle Vorhaben sollen transparent kommuniziert werden und jederzeit einsehbar sein. Dafür braucht es vielfältige Schnittstellen zwischen allen Beteiligten. Die eigentliche Herausforderung wird sein, aus all den Ideen und Diskussionen ein umsetzbares Ergebnis abzuleiten. Umfangreiche wissenschaftliche Vorarbeiten sind in die Entwicklung der eigentlichen Software-Plattform für den kollektiven Planungsraum eingeflossen - über diese können nun auch Technologien wie VR (Virtual Reality) mit eingebunden und genutzt werden. Auch zwei teilweise auf Projektergebnissen beruhende Start-ups stehen bereits in den Startlöchern. Mitte des kommenden Jahres wird die Plattform verfügbar sein und auch auf der EXPO Real präsentiert werden.
Welchem Anwendungssektor ordnen Sie ihren Beitrag zu?:
Baubranche, Stadtplaner und -entwickler
Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Bevölkerung?:
Eine Bürgerbeteiligung bei Bauprojekten ist grundsätzlich jetzt schon möglich, aber in der Praxis schwierig, vor allem für den Laien. U_Code ermöglicht es zukünftig einer viel breiteren Bevölkerung, sich aktiv an Planungsprozessen für die Stadtumgebung zu beteiligen.
Wie sah/sieht der Projektzeitplan und Finanzierungsbedarf aus?:
Das Forschungsprojekt „U_CODE: Urban Collective Design Environment: A New Tool for Enabling Expert Planners to Co-create and Communicate with Citizens in Urban Design” wird bis Juli 2019 mit rund 3,6 Millionen Euro von der Europäischen Union im Horizon-2020-Programm „ICT 19: Technologies for creative industries, social media and convergence” gefördert.
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Bart Gorynski
Hallo Herr Bösenberg,

die frühzeitige Einbeziehung der Bürger spielt in der Akzeptanz von Großbauprojekten eine wichtige Rolle. Ihre smarte Lösung bietet eine gute Möglichkeit dieses Verfahren zu vereinfachen. Sie erwähnen in Ihrem Bericht Pilotprojekte. Können Sie hierzu berichten, wie die bisherige Resonanz der Bürger*innen und der Projektinitiatoren (z. B. Bauherren) war/ist? Gab es beispielsweise weniger Schlichtungsbedarf zwischen beiden Parteien? Zudem würde ich gerne wissen, wie mit den Entwürfen der Bürger*innen umgegangen wird. Da ich selber in der Immobilienbranche verwurzelt bin und viele Quartiersinvestitionen begleitet/gesteuert habe, würde ich mich freuen, wenn Sie mich über Fortschritte informieren würden. Vielleicht bietet sich hier die Möglichkeit einer Kooperation. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Mitgestaltung der zukünftigen Städte durch Ihre interaktive Plattform zur Bürgerbeteiligung.
Viele Grüße und be a bee.
Bart Gorynski
Bart Gorynski
Lieber Herr Bösenberg,
hatten Sie schon zeitliche Gelegenheit auf meine Frage zu antworten? Ich möchte Sie gerne im Rahmen meiner Bewertungsaufgabe als Experte hier bewerten und es wäre hilfreich, wenn Sie kurz ein Feedback geben - dies erleichtert mir eine entsprechende Bewertung.
Viele Grüße und be a bee
Bart Gorynski
Mirko Bahrenberg
Guten Tag Herr Bösenberg,

Ein schönes Projekt zur digitalen Bürgerbeteiligung. Großprojekte im Baubereich zeigen ja immer wieder, dass eine solche Plattform zum Austausch fehlt.

Gibt es schon Umsetzungspläne nach auslaufen des Förderprojekts? Wer wäre Träger einer solchen Plattform? Wie kann ich mit meinem Bauvorhaben daran teilnehmen?

Grüße
Mirko Bahrenberg
Frank Bösenberg
Hallo Herr Bahrenberg,

vielen Dank für Ihr Interesse an dem Projekt!
Wir befindung uns aktuell im letzten Projektjahr, die Überführung in konkrete Dienst- und Produkt-Innovation bzw. der Verwertungsplan ist also noch in Arbeit - leider kann ich Ihnen heute daher noch keine finalen Antworten auf Ihre Fragen geben. Wir planen aber in ca. 4-6 Monaten eine Veranstaltung zur "Exploitation", auf dem diese dann beantwortet werden. In der Zwischenzeit hätte ich sogar noch ein paar Fragen an Sie (gern auch per Mail beantwortbar):
1. Haben Sie ein konkretes Einsatzszenario bzw. Anwendungsprojekt? Wenn ja, über welchen Umfang reden wir grob (Quartiersentwicklung, #einzubindende Bevölkerung etc...) (Wir haben derzeit 3 Piloten, aber eventuell kann man noch einen mit aufnehmen)
2. Könnten wir dazu in spätestens 3 Monaten in ein persönliches Gespräch kommen?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antworten und beste Grüße,

Frank Bösenberg
Wettbewerb "Stadt.Land.Digital"