Allianz Smart City Dortmund WIR.MACHEN.ZUKUNFT

ID 1092
Wettbewerb
von Michaela Bonan 25.10.2018 10:31
Was war/ist die Ausgangssituation?:
Dortmund will sich zu einer der weltweiten Modellstädte für "Smart Cities" entwickeln und hat das Ziel, eine Stadtentwicklungsstrategie umzusetzen, die mittels intelligenter und digital-vernetzender Technologien den zukunftsfähigen Umbau der Stadt und ihrer kommunalen Infrastrukturen fördert. Themenbereiche wie Stadtplanung, Technologie, Forschung, Soziales und Wirtschaft werden zusammengeschlossen (bspw. in den Bereichen Energie, Verkehr, Logistik, Sicherheit und demographischer Wandel). Die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, die Verringerung des Carbon Footprint, die Erhöhung des Anteils Erneuerbarer Energien und die Stärkung der Quartiere durch Beteiligung der Bürger*innen sind übergeordnete Ziele der Stadt.
Die digitale Transformation ist ein fortlaufender Prozess ohne ein vorbestimmtes Ziel. Digitalisierung ist dazu Instrument bzw. der technische Enabler. Dortmund definiert die smarte Stadt indem Akteure (Bürger*innen, Zivilgesellschaft, Unternehmen, Wissenschaft, Politik etc.) und digitale Technologien über einen intelligenten Prozess miteinander verbunden werden, um darüber die Lebens- und Umweltqualität zu erhalten bzw. zu verbessern, den Wirtschaftsstandort zu sichern und zu stärken sowie die Effizienz und Bürgernähe in einer dem technologischen Fortschritt angepassten Verwaltung zu verbessern.
Das Dortmunder Modell ist geprägt von Beteiligung und Kollaboration, nach innen über die Entwicklung des Masterplans digitale Verwaltung, nach außen über die Masterpläne digitale Bildung Wirtschaft, kommunale Sicherheit sowie die Allianz Smart City Dortmund, einem von der Stadt und der IHK zu Dortmund moderierten Zusammenschluss von mehr als 130 Unternehmen, Verbänden und Institutionen. Das Scharnier zwischen den Masterplänen und der Allianz Smart City bildet das (Stabsstelle im Amt für Angelegenheiten des Oberbürgermeisters und des Rates ) Chief Information Office (CIO). Das CIO verantwortet das Innovations- und Technologiemanagement für die kommunale Gesamtstrategie, ist Gatekeeper und Technologiescout zur Identifikation und Umsetzung digitaler Projekte im Rahmen internationaler Initiativen. Im CIO erfolgt das Zusammenführen und die Koordination der internen und externen Innovationsaktivitäten die gesamtgesellschaftliche Kommunikation über innovative Beteiligungsformate. Das CIO greift dabei auf etablierte Beteiligungsstrukturen zurück.
Was war/ist das Projekt/die Strategie?:
Die Dialog- und Projektplattform Allianz Smart City ist Basis des kollaborations- und beteiligungs-orientierten Ansatzes zur Umsetzung der gesamtstädtischen Smart City- und Digitalisierungsstrategie. Ende 2016 gegründet, vernetzt sie 137 Unternehmen, Verbände, Institutionen, wissenschaftliche Einrichtungen sowie Akteure aus Politik und Verwaltung. Vielfältiges Expertenwissen zur Umsetzung von Digitalisierungs- und Smart City-Projekten in den beschriebenen Themenfeldern wird gebündelt, vernetzt und nutzbar gemacht.
Smart City ist Leitprojekt des Stadtentwicklungsprojektes "nordwärts", über dessen etablierte Beteiligungs- und Kommunikationsstrukturen die Menschen verlässlich und stetig in die digitale Transformation der Stadt eingebunden sind. Ein „Gesellschaftslabor“ (für jeden und jede offen) entwickelt mit Unternehmen Ideen zur Umsetzung.
Smart City Hub & Data Centers: Use Cases innerhalb der Gesamtstadt und der Verwaltung werden identifiziert und das Vorgehen zur Digitalisierung der zugehörigen Prozesse abgestimmt. Alle Teilprojekte werden zukünftig in den Smart City Data Hub zur Entwicklung und Umsetzung datengetriebener, kommunaler Use- und Business Cases an der Schnittstelle von privatem und öffentlichem Sektor integriert. Besonders hervorzuheben ist der Ansatz des „Fair Share“, was bedeutet, dass die nutzbringende Verwertung von Daten, entweder über das Entstehen positiver externer Effekte oder die Monetarisierung im Rahmen eines Geschäftsmodells, mit einem fairen Payback an den Datenlieferanten verbunden sein muss. Um die Architektur des Smart City Data Hub zu entwickeln und zu testen werden einzelne Pilotprojekte initiiert.
Welchem Anwendungssektor ordnen Sie ihren Beitrag zu?:
Verwaltung und Sektorübergreifend
Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Bevölkerung?:
Ziele sind der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebens- und Umweltqualität, die Stärkung des Wirtschaftsstandortes sowie die Qualifizierung einer effizienten, digitalen und benutzerfreundlichen Verwaltung. Die Digitalisierung wird der Stadt helfen die politischen und strategischen Ziele schneller, effizienter und qualitativ hochwertiger zu erreichen. Wir verstehen Digitalisierung nicht als Selbstzweck sondern Möglichmacher, deshalb setzen wir mit den Projekten primär an den Stellen an, an denen echter Handlungsbedarf besteht und gehen in die Quartiere, sprechen mit den Menschen vor Ort und laden sie dazu ein, gemeinsam mit den Allianzpartnern Projekte zu entwickeln. Teilprojekte, das Smart City Managementoffice und die in Dortmund angesiedelte Kompetenzzentren können Interessierte auf Smart City Touren kennenlernen. Ein Ombudsmann für Datenwert und Datenethik wurde aus den Partnern der Allianz gewonnen und berufen. Unter dessen Leitung soll das Dortmunder Fair Share-Modell für den Umgang mit Daten in einer Smart City erarbeiten und umgesetzt werden.
Wie sah/sieht der Projektzeitplan und Finanzierungsbedarf aus?:
Gründung der Allianz Dezember 2016. Kein zentraler Ansatz, Budget steht für Projekte in Fachbereichen der Stadtverwaltung Verfügung, Drittmittel und Investitonen aus Wirtschaft werden gewonnen, Personalressourcen werden seitens der Stadt bereitgestellt. Die zeitliche Umsetzung der Gesamtstrategie wird stetig fortgeschrieben und auf Basis der Ergebnisse der Beteiligung angepasst. Umsetzungsakzeptanz für und Vertrauen in die digitale Transformation bei den Menschen, die von der Digitalisierung profitieren sollen, wird gewonnen.
Schlagwörter:
Kategorien:
Michaela Bonan
Sehr geehrter Herr Schonowski,

natürlich haben Sie Recht, dass Umland muss dringend einbezogen werden. Ab dem 05.12 werden wir ein siebtes Expertenteam "interkommunaler Erfahrungsaustausch" in unsere Allianz integrieren. Im Kontext dieses Expertenteams werden wir die Schnittstellen zwischen den Nachbarstädten definieren und gemeinsam Projekte entwickeln. Gleiches gilt für die Internationalisierung. Im Februar werden wir in den Westfalenhallen die erste kommunale Smart City Ausstellung mit begleitender (internationaler) Konferenz anbieten. Voneinander und miteinander Lernen ist der Schlüssel zur Gestaltung der zukunftsfähigen Stadt. Zum Monitoring haben wir ein Bewertungssystem entwickelt. Gestartet sind wir bereits mit derzeit 24 priorisierten Pilotprojekten. Schauen Sie gerne auf unserer Internetseite http://www.smartcity.dortmund.de vorbei. Ich lade gleich noch unsere druckfrische Broschüre hoch. Herzliche Grüße aus Dortmund Michaela Bonan
Joachim Schonowski
Werte Kollegen,

mir gefällt Ihr Ansatz sehr, da Sie einige der wesentlichen Aspekte - Sektorübergreifender Ansatz und auch Multiakteursbeteiligung - beschreiben. Gerne würde ich dabei noch verstehen, wie sie auch das Umland miteinbeziehen wollen, da die digitale Transformation nicht an den Stadtgrenzen halt macht. Ferner würde ich gerne verstehen, welches Ihre drei vordringlichsten Ziele sind, wie sie konkret starten wollen
und wie sie diese nachalten wollen?
Gibt es bereits einen ersten Entwurf - Leitplanken für Ihr Fair Share Modell?

Mit besten Grüßen

Joachim Schonowski
Ludwig Hanisch
Sehr geehrter Herr Bonan,

vielen Dank für das Einreichen Ihres Beitrags.
Zu welchem Grad denken Sie, dass die Eingaben aus Bürgerschaft und Wirtschaft sich tatsächlich in realpolitische Entscheidungen niederschlagen? Nach meiner Erfahrung kann das Empowerment der Bürgerschaft zu Effekten der gefühlten "entlegitimation" der Entscheidungen politischer EntscheidungsträgerInnen führen, was wiederum Nährboden für Konflikte sein kann.
Haben Sie ähnliches beobachten können? Wie gehen Sie damit um?

Beste Grüße,

Ludwig Hanisch
Michaela Bonan
Sehr geehrter Herr Hanisch, die Politik ist sowohl im begleitenden Lenkungskreis als auch als Partner der Expertenteams in den Prozess eingebunden.
Der Prozess und die Bereitstellung kommunaler Infrastrukturen zur erstmaligen Erprobung von Pilotprojekten wurde in Form eines Ratsbeschlusses beauftragt. Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft entwickeln an den Projekten mit, die Entscheidungsbefugnis verbleibt in den durch Wahlen legitimierten Gremien. In Dortmund ist eine Beteiligungskultur etabliert. Empowerment kann politische Entscheidungsprozesse qualifizieren aber nicht ersetzten. Ihre Beobachtung kann ich persönlich für Dortmund nicht bestätigen. Viele Grüße Michaela Bonan
Wettbewerb "Stadt.Land.Digital"