Von schwacher und starker künstlicher Intelligenz

Der Begriff „künstliche Intelligenz“ (KI) fiel zum ersten Mal 1955 in einem Forschungsantrag des amerikanischen Informatikers John McCarthy. Seither entwickelte sich die Technologie rasant weiter und das Verständnis über KI wurde schärfer. Welche Auffassungen und Ausprägungen über KI sich bis heute herauskristallisieren, zeigen wir in diesem Beitrag auf.

Trotz jahrelanger Forschung und zahlreicher positiven Anwendungsbeispiele von KI steht diese oft in der Kritik. Dies ist nicht verwunderlich, ist KI doch ein großes, komplexes und facettenreiches Themengebiet. Umso wichtiger scheint es, Transparenz und Klarheit darüber zu schaffen, was KI für uns bedeutet.

Einerseits bemerken wir nicht, wo überall KI versteckt ist. Bereits 1956 verdeutlichte John McCarthy ein Phänomen, wenn es um die Diskussion über KI geht: „As soon as it works, no one calls it Artificial Intelligence anymore“ (Sobald ein System oder ein Roboter funktioniert, benennt es niemand mehr als KI). Viele Produkte und Services, die wir heute in Anspruch nehmen, beinhalten bereits intelligente Algorithmen.

Andererseits werden wir stark durch die Filmindustrie beeinflusst. So pflanzten uns unter anderem verschiedene Science-Fiction-Filmszenen das ein oder andere Ammenmärchen in unsere Köpfe. In dem 2014 deutschlandweit ausgestrahlten Kinofilm „Transcendence“, arbeiten beispielsweise zwei führende Computerwissenschaftler auf die Erschaffung einer Welt hin, in der Computer die Fähigkeiten des menschlichen Hirns übertreffen. Doch wird es wirklich möglich sein, dass Maschinen die menschliche Existenz in der Zukunft übertreffen?

In der Diskussion lassen sich somit grundlegend zwei Strömungen unterscheiden: die der starken und die der schwachen KI. Diese charakterisieren sich wie folgt:

 

1) Schwache künstliche Intelligenz

Die schwache KI zielt darauf ab, intelligentes Verhalten zu imitieren, ohne ein wirkliches Bewusstsein neu zu erschaffen. Dazu setzt sie sich mit  einem bestimmten Problem auseinander und stellt schnelle Lösungen bereit. Sie ist bereits heute im täglichen Leben verankert, zum Beispiel in Form von Anwendungen der Sprach- und Zeichenerkennung oder bei Navigationssystemen. Auch das Filmportal Netflix und die Fähigkeit zur individualisierten Filmempfehlung zählen dazu. Einige Wissenschaftler und Philosophen vertreten die Meinung, dass jede noch so intelligent scheinende KI eine schwache KI ist. Jegliche scheinbare Intelligenz eines Programms oder eines Computers betrachten sie lediglich als eine Simulation von Intelligenz.  

 

2) Starke künstliche Intelligenz

„Die richtig programmierten Prozesse im Computer sind geistige Prozesse.“ In diesem Sinne steht bei der starken KI nicht die Simulation von Intelligenz im Vordergrund. Ihre Vertreter gehen vielmehr davon aus, dass der Computer oder die Maschine an sich intelligent ist. Ziel der starken KI ist es demnach, eine Intelligenz zu erschaffen, die ähnlich wie der Mensch nachdenken und Probleme lösen kann und die sich durch eine Form von Bewusstsein auszeichnet.  Diese Vorstellung oder Vision begleitet die KI-Forschung schon von Beginn an, wobei der anfängliche Optimismus, dieses Ziel in naher Zukunft zu erreichen, mittlerweile ein Stück weit verflogen ist. In Science-Fiction-Literatur und -Film ist die starke KI eine häufig genutzte Utopie. Obwohl es keine allseits befriedigende Definition gibt, scheinen die meisten KI-Forscher sich darauf verständigen zu können, dass wirkliche Intelligenz über  folgende Fähigkeiten verfügt:

  • Logisches Denken
  • Treffen von Entscheidungen bei Unsicherheit
  • Planen
  • Lernen
  • Kommunikation in natürlicher Sprache
  • Alle diese Fähigkeiten zum Erreichen eines gemeinsamen Ziels einsetzen

Die Argumentationen der Forscher über die mögliche Existenz der starken KI variiert. Erste Entwicklungen im Gesundheitswesen versetzen uns jedoch heute bereits ins Staunen. So zeigt die Nanotechnologie auf, wie Krankheiten zukünftig mit Hilfe von Nanobots – das sind Roboter im Kleinstformat – bekämpft werden könnten. Es mag sich utopisch anhören – allzu weit weg sind wir von dieser Technologie aber nicht mehr.

 

Eine Steigerung der starken KI ist die sogenannte Superintelligenz. Der schwedische Philosoph Nick Bostrom definiert diese „[…] as an intellect that is much smarter than the best human brains in practically every field, including scientific creativity, general wisdom and social skills”. Es handelt sich somit um ein System, das den Menschen in allen Bereichen übertrifft. Bekannt ist die Superintelligenz aus der Science-Fiction-Literatur. Sie ist auch der Grund, warum in Verbindung mit KI oftmals Begriffe der Unsterblichkeit und Weltherrschaft thematisiert werden.

 

Eine Zusammenfassung

Die Meinungen der Wissenschaftler über die Fähigkeiten der KI variieren. Wichtig scheint es, kritisch zu visualisieren, ob es sich um schwache oder starke KI handelt. Während sich die schwache KI bereits heute mit konkreten Anwendungsproblemen beschäftigt, geht es bei der starken KI darum, eine allgemeine Intelligenz zu schaffen, die der des Menschen gleicht oder diese übertrifft. Im Großen und Ganzen weiß keiner, wie sich unsere Zukunft genau gestalten wird. Ob uns Formen der Superintelligenz wirklich je erreichen werden, bleibt vorerst Gegenstand unserer Wissenschaft und Forschung. Der Anfang der Geschichte der KI ist bereits geschrieben. Nun liegt es in unserer Verantwortung, das weitere Drehbuch zu gestalten.

Wie sehen Sie die Zukunft der künstlichen Intelligenz? Kennen Sie weitere Beispiele der starken und schwachen KI?


 

Quellen:

http://www-formal.stanford.edu/jmc/history/dartmouth/dartmouth.html

http://waitbutwhy.com/2015/01/artificial-intelligence-revolution-1.html

http://www.informatik.uni-oldenburg.de/~iug08/ki/Grundlagen_Starke_KI_vs._Schwache_KI.html

https://www.golem.de/news/nanobots-kleine-aerzte-die-man-schlucken-kann-1601-118515.html

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/nick-bostroms-superintelligenz-bei-suhrkamp-a-1011341.html

http://www.informatik.uni-oldenburg.de/~iug08/ki/Grundlagen_Starke_KI_vs._Schwache_KI.html

01.06.2017
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Kommentare

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2017-06-01 10:21:44
Danke für den interessanten Beitrag!