Künstliche Intelligenz auf Konzernebene

Interview mit Dr. Christoph Peylo, Leiter des Bosch Center for Artificial Intelligence

 

1. Künstliche Intelligenz ist aktuell in aller Munde. Was verbirgt sich Ihrer Meinung nach hinter diesem schillernden Begriff?

Künstliche Intelligenz, kurz „KI“, beschreibt ein Vorgehen, bei dem Maschinen das Lernen lernen. Anders gesagt: Computersysteme ahmen menschliche Intelligenz nach. Künstliche Intelligenz ist die Simulation intelligenten Verhaltens auf Basis vorgegebener oder erlernter Muster. Ein KI-fähiger Computer erkennt seine Umgebung etwa mit Hilfe von Kameras und Sensoren. In diesen gewonnenen Umgebungsinformationen kann er Zusammenhänge aufdecken und Handlungen daraus ableiten. Beispiel: Ein Auto mit KI-Kompetenz erkennt Fußgänger auf dem Bürgersteig, berechnet die Wahrscheinlichkeit der Überquerung und leitet bei Bedarf Ausweichmanöver ein.

 

2. Was ist Ihr Bezug zu künstlicher Intelligenz und was ist Ihre Rolle im Konzern?

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema künstliche Intelligenz und leite zudem das Bosch Center for Artificial Intelligence. Bosch hat dieses globale Netzwerk von KI-Experten Anfang 2017 gegründet.

 

3. „Bosch hat mit seiner Sensorik den Dingen das Fühlen beigebracht. Jetzt bringt Bosch den Dingen das Lernen und intelligentes Handeln bei“ – Zitat von Volkmar Denner, CEO der Robert Bosch GmbH (Artikel). Welchen Stellenwert wird künstliche Intelligenz zukünftig bei Bosch einnehmen?

KI ist für Bosch eine wesentliche Kompetenz. Sie wird einen weiter wachsenden persönlichen Mehrwert für die Nutzer dieser Systeme im täglichen Leben bringen. Beispiele sind KI-Anwendungen im Bereich des automatisierten Fahrens oder in der vernetzten Fertigung. In zehn Jahren wird es kaum ein Bosch-Produkt geben, das nicht selbst über KI verfügt oder mit KI hergestellt worden ist. Wichtig in diesem Zusammenhang: Lösungen von Bosch werden stets dem Nutzer die Entscheidung dafür überlassen, welche persönlichen Informationen wofür genutzt werden dürfen. 

 

4. Was haben Sie mit den 300 Mio. Euro vor, die bis 2021 in das Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) fließen sollen (Pressemitteilung)? Welche strategische Rolle spielt der deutsche Standort? 

Das Bosch Center for Artificial Intelligence ist als globales Netzwerk von KI-Teams organisiert. Die Mitarbeiter nutzen neue Methoden der virtuellen Zusammenarbeit, um effizient in diesem internationalen Setting zusammenzuarbeiten und gemeinsam mit den Experten in den Bosch-Produktbereichen neue KI-Lösungen schnell auf den Markt zu bringen. Derzeit befinden sich Standorte in drei Ländern (Deutschland, USA, Indien) im Aufbau.  

 

5. Welche konkreten Anwendungen/Produkte haben Sie bereits entwickelt bzw. an welchen Projekten arbeiten Sie aktuell im Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI)?

Wir setzen KI unter anderem im Bereich Industrie 4.0 ein. Dort werden mit Hilfe von KI der Energie- und Ressourcenbedarf sowie die Effizienz und Wartung von Fertigungsmaschinen optimiert. Des Weiteren kommen KI und maschinelles Lernen im Bereich vernetzte Mobilität zum Einsatz: Mit Hilfe von KI-Technologien werden verfügbare Parkplätze gefunden und Autofahrer ohne Umwege zum nächsten freien Parkplatz geleitet.

 

6. Werden wir zukünftig von einer Vielzahl an intelligenten Assistenten umgeben sein, die Entscheidungen für uns treffen?

Durch Vernetzung wird das Auto zum Assistenten auf vier Rädern. Autofahrer können die Zeit im Auto so effizienter und entspannter nutzen. Auch zu Hause bekommen die Menschen durch das Internet der Dinge eine Reihe an intelligenten Helfern, die das Leben einfacher und sicherer machen. Dabei übernehmen manche Produkte gleich mehrere Funktionen: Der Rauchmelder im Smart Home überwacht beispielsweise auch die Luftqualität.

 

7. Welches Potenzial haben KI-Technologien, die verschiedenen Anwendungssektoren Bildung, Energie, Gesundheit, Verkehr und Verwaltung zu transformieren? Haben Sie konkrete Beispiele?

KI-Anwendungen von Bosch finden sich zum Beispiel im Auto, in der Industrie, im Garten und im Haus. Weitere KI-Anwendungen werden von BCAI-Experten erforscht. Beispiel Verkehr: Der Autofahrer kann Staus umfahren und leichter einen Parkplatz finden. Beispiel Industrie: Der Service-Monteur in der Industrie spart Zeit, Geld und Aufwand, weil die Maschine selbst weiß, wann es Zeit für die Wartung ist.

 

16.06.2017
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Kommentare

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2017-08-18 13:30:23
Hier noch ein interessanter Beitrag zum BCAI, in dem auch Dr. Peylo zu Wort kommt.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bosch-investiert-millionen-in-kuenstliche-intelligenz-15156050.html

Viele Grüße
Stefan Kukla