Zerstörerische künstliche Intelligenz – Woher kommt sie?

Artikel von Alexander Bresk (Blogger)

 

Künstliche Intelligenz ist aktuell allgegenwärtig. Aber wo war sie vor fünf oder zehn Jahren? Sie existierte in Filmen und Serien, machte dem Zuschauer Angst und versetzte sie in Staunen. Ein Film kommt ohne Dramaturgie nicht aus.

Das ist genau das Problem, welches die künstliche Intelligenz jenseits von Computerspezialisten und Forschern in unserer Gesellschaft hat. Die Menschen sehen die Künstliche Intelligenz kritisch, weil sie tötet und weil sie etwas Unbekanntes ist. Das gemachte Bild aus Filmen wird in die Realität projiziert.

 

Doch welche Potentiale liegen in der künstlichen Intelligenz? Betrachtet man das Thema nüchtern und legt die vorbelastete Meinungsbrille aus Fernseh- und Filmeindrücken einmal ab, sieht man schnell, dass sich mit diesem Thema einiges mehr erreichen lässt, als ein bloßes Angstmachen und „Hysterisieren“ der breiten Masse.

 

Monotone Jobs und immer gleiche Arbeitsprozesse werden automatisiert. Apps und intelligente Anwendungen nehmen uns aufwändige sowie zeitraubende Recherchearbeiten ab. Es bleibt mehr Zeit und Energie für die Aktivitäten, für die wir Menschen geworden sind – zum Nachdenken, zum Aufbauen und zum Lieben. Durch weniger Menschen am Fließband nehmen psychische und physische Belastungen ab. Niemand übt gern monotone Arbeiten aus. Es sei denn, er definiert sich darüber. Viele Aufgaben werden obsolet, weil sich die Menschheit in die Lage versetzt hat, die Struktur von Aufgaben zu verstehen, um sie Maschinen zu überlassen. Klingt das nicht nach einer idealen Welt, in der wir aufwachsen und leben wollen?

 

Augenscheinlich ist das nicht der Fall, denn die breite Masse hat Angst vor den Entwicklungen und dem Trend zu immer intelligenteren Systemen. Doch welche Anatomie hat diese Angst? Ein wichtiges Argument, das dieser Angst zu Grunde liegt, ist das Schwinden der Jobsicherheit. Insbesondere in Deutschland, einem Land in dem man sich sehr stark über die geleistete Arbeit definiert, gesellt sich bei einer etwaigen Arbeitslosigkeit zum fehlenden Einkommen auch noch der sinkende soziale Status dazu. Hier muss die Politik tätig werden, um die Menschen abzusichern, deren Arbeitsplätze zum Opfer der Automatisierung werden oder es bereits wurden.

 

Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag und wird dies auch weiterhin tun. Sie wird in weitere Bereiche unseres Lebens eindringen – egal ob privat oder beruflich. Massive Datenströme und statistische Modelle sind die Grundlage der Künstlichen Intelligenz, die wir in den kommenden Jahren noch besser kennenlernen werden.

 

Es liegt nun an uns. Es liegt an jedem Einzelnen. Wollen wir einer Vision unserer Zukunft hinterher laufen, die uns Filmemacher und Medienproduzenten zeigen? Eine Vision in der Menschen meist eine untergeordnete Rolle spielen? Ganz im Gegenteil werden Menschen in der Zukunft eine sehr große Rolle spielen. Im Gegensatz zu vielen Entscheidungen und Beschlüssen kommt Technologie nämlich nie demokratisch in unser Leben. Technologie ist durchdringend, befriedigt Bedürfnisse und löst Probleme. Sie ist einfach da und verändert unser Leben. Genau aus diesem Grund müssen wir aktiv werden und die Ethik sowie Richtlinien von Künstlicher Intelligenz mitgestalten.

 

Vergessen wir also das Bild, das uns die Medien gezeichnet haben und zeichnen wir unser eigenes. Es ist unsere Chance, die so oft propagierten Risiken der Technologie zu unserem Vorteil zu nutzen. Wir sollten nichts ablehnen, das wir nicht kennen, wir sollten es annehmen und kennen lernen.

15.06.2017
  • vision
  • mythos und realität
  • gegenwart

Kommentare

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2017-06-23 14:51:23
Ich, als Neuling im Themenfeld "Künstliche Intelligenz", erwische mich auch immer wieder dabei, dem Thema noch sehr skeptisch gegenüber zu stehen. Gerade die Angst um jene Arbeitsplätze, die der Automatisierung "zum Opfer fallen" ist dabei vordergründig. Wie Sie beschrieben haben muss hier der Staat eingreifen. Doch was wird er tun? Es müssten Programme geschaffen werden, die die Arbeitnehmer auf neue Herausforderungen in ihrem Arbeitsalltag aufgrund von KI vorbereiten. Wie Sie beschrieben haben: "Sie ist einfach da und verändert unser Leben." Und der Fließbandarbeiter kann seinen Job noch so gut machen. Sie ist da.
2017-06-26 14:46:02
Liebe Frau Salzmann,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie sprechen da ein paar entscheidende Aspekte an. Vor ein paar Tagen bin ich über folgenden Artikel der Zeit gestolpert, der genau das Spannungsfeld zwischen realer Angst vor technologisch induzierter Arbeitslosigkeit auf der einen Seite und - teils unbegründeter - Hysterie auf der anderen Seite thematisiert.

http://www.zeit.de/2017/11/kuenstliche-intelligenz-arbeitsmarkt-jobs-roboter-arbeitsplaetze

Auf der OIP haben auch mehrere Interviewpartner Stellung zu diesem Thema bezogen - u.a. Fabian Westerheide.

Liebe Grüße
Stefan Kukla