Müssen wir uns vor IBMs Watson fürchten?

Interview mit Marcus Kottinger vom IBM Watson Internet of Things Center München

 

Laut Harriet Green, General Manager von IBM´s neuem Geschäftsbereich Watson Internet of Things, ist "künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch. Das zeigt sich in immer mehr Lebensbereichen und wird jetzt richtig ernst.“ Um eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet einzunehmen, investierte der etablierte US-Technologiekonzern unlängst rund 200 Millionen Dollar in den globalen Hauptsitz der Watson IoT-Sparte in München. Ambitioniertes Ziel ist laut offizieller Pressemitteilung der „Aufbau eines neuen, weltweiten Innovationsökosystems rund um künstliche Intelligenz und Internet of Things“. Zudem soll erforscht werden, „wie kognitive und IoT-Technologien ganze Branchen und unser tägliches Leben verändern können“. Gelingen soll das mit Hilfe von IBM`s kognitiver Technologie Watson, die mit ihrem kontinuierlich wachsenden Repertoire an Fähigkeiten und Einsatzbereichen stark medial beachtet wird. Wir haben IBM einen Besuch abgestattet und mit Marcus Kottinger gesprochen, der verantwortlich für das Business Partner Development in Europa ist.

 

Herr Kottinger, was ist künstliche Intelligenz?

IBM löst sich mit Watson von der Idee der klassischen AI (Artificial Intelligence), deren noch sehr visionäres Ziel es ist, menschliches Denken digital abzubilden. Wenn IBM über AI spricht, dann meinen wir damit „Augmenting Intelligence“: Wir wollen menschliche Intelligenz verstärken, nicht ersetzen.

Wir wollen menschennahe Systeme bauen, die beratend zur Seite stehen und Schlüsse ziehen aus den Unmengen an Daten, die im digitalen Zeitalter entstehen. Kognitive Intelligenz ist eigentlich ein Assistenzsystem für jegliche Branchenlösungen und Industriesparten.

Was ist demnach Ihr Bezug zu Kognitiver Intelligenz?

Wir wollen unseren Partnern und Kunden hier im Watson IoT Center die Möglichkeit bieten, diese neuartigen Lösungen auszuprobieren und direkt in ihre eigenen Anwendungen zu integrieren, am Markt zu platzieren und sie weiterzuentwickeln, um bessere, intelligentere und einfachere Lösungen zu entwickeln.

 

Müssen wir Angst vor Watson haben?

 IBM Watson

 

Gerade überschlagen sich die Meldungen, dass Watson mittlerweile Sachbearbeiter ersetzen und Therapievorschläge bei Krebs machen kann. Sind wir als Arbeitskräfte bald alle überflüssig? Müssen wir Angst vor Watson haben?

Wir müssen keinesfalls Angst haben. IBM entwickelt kognitive Systeme wie Watson, um Menschen zu helfen, ihre täglichen Aufgaben besser zu bewältigen und nicht, um den Menschen zu ersetzen. Der Zweck ist die Unterstützung des Menschen. Weiterhin ist unser Anspruch, dass KI-Systeme gemeinsam mit denjenigen Menschen entwickelt werden, die in ihren Branchen und Tätigkeiten jahrzehntelange Erfahrungen gesammelt haben und die in ihren Tätigkeiten von eben diesen KI-Programmen künftig unterstützt und entlastet werden sollen. IBM setzt sich dafür ein, die Menschen auf die notwendigen Fähigkeiten vorzubereiten, damit sie mit kognitiven Systemen arbeiten können.

 

Welchen Stellenwert wird KI in Zukunft einnehmen und wo stehen wir in 10 bis 20 Jahren?

Wir werden eine exponentielle Entwicklung sehen. Der Markt für kognitive/AI-Technologien wächst rasant: So rechnet die Marktforschungsgesellschaft Gartner für 2017 mit 8,4 Milliarden vernetzten Geräten, fast ein Drittel mehr als noch im vergangenen Jahr. Bis zum Jahr 2020 soll es 20,4 Milliarden vernetzte Geräte geben. Den Umsatz mit solchen Geräten und entsprechenden Softwaredienstleistungen schätzen die Marktforscher in diesem Jahr auf fast zwei Billionen Dollar, er soll bis 2022 auf 14,2 Billionen wachsen. Das Potenzial erstreckt sich über alle Branchen – egal ob der Bildungssektor, Banken oder Versicherungen, Maschinen- und Anlagenbauer, die Automobilindustrie über die Energiewirtschaft, den Gesundheitssektor, etc.

 

Würden Sie abschließend noch kurz etwas zu Ihrer Rolle bei IBM sagen?

Ich verantworte im Watson IoT Center das Thema Partnerentwicklung. Durch das Thema Industrie 4.0 und Internet of Things liegt zwangsläufig ein Schwerpunkt auf dem umfassenden Ökosystem und den Partnern, da es bei diesen Themen sehr stark um Integration verschiedenster Elemente geht und nicht einer alleine eine End2End-Lösung anbieten kann. Da ist es ganz wichtig, zusammen mit den Partnern herauszufinden, wie die Architektur aussieht, wie Geschäftsprozesse aussehen und wer potenzielle Kunden sind.

 

 

13.06.2017
  • ibm watson
  • internet of things
  • center munich

Kommentare

Diskutieren Sie mit der Community auf der Open-Innovation-Plattform