Sie sind hier: Startseite Beiträge
Intelligente Regionen Deutschlands Digitale Bildungslandschaft Malchin
ID 440
von Joachim Borner 11.05.2016 07:43
Beschreibung:
Die soziale Dorfentwicklung in den dörflichen Strukturen des Amtsbereiches Malchin-Kummerower See ist durch typische Rahmenbedingungen in Mecklenburg Vorpommern gekennzeichnet: Eine „schrumpfende Region“ mit einem drastischen demografischen Wandel. Große Aufmerksamkeit sollte dem Thema Bildung geschenkt werden. So verstärkt eine Verringerung von Bildungsangeboten und Lernorten nicht nur Abwanderungsprozesse, sondern unterläuft den Bedarf nach biographiebegleitenden Bildungsangeboten und Beratungen. Gleiche Chancen beim Zugang zu schulischer, beruflicher, kultureller, politischer Bildung sind somit nicht gegeben.

In der Region finden eine Reihe wesentlicher Umbrüche statt: ein radikaler demografischer Wandel, der die Fragen nach den Standards von Daseinsfürsorge neu stellt, die Energiewende, wachsende Nachfrage nach verantwortlich erzeugten regionalen Lebensmitteln, Nachfrage nach Ökosystemen mit wirkungsvollen Dienstleistungen, Klimaanpassungsmaßnahmen wie die Moorvernässung; neuartige (digital unterstützte) Mobilität-- im Land geht das Bild um, dass wir es mit einer Neukonstruktionen/ Neuinszenierung des ländlichen Raums zu tun haben. Hier nennt man das „Garten der Metropolen“. Das meint einen radikalen Transformationsprozess des ländlichen Raums im Zeichen der planetarischen Leitplanken. Bodenschutz, regenerative Energien auf den Böden der Landwirte, Klimafolgen und Resilienzfähigkeit, der Phosphormangel und die Notwendigkeit, in anderer Weise als in der traditionell-industriellen den Bodenertrag zu sichern usw. – um diese Dinge realisieren zu können werden wir eine digitale „zweite“ Gartenwelt der Metropolen bekommen. Meteorologische Daten, Bodenertragspotentiale, CO2-Bindung etc. – all diese handlungsorientierenden Daten sind für die Regionen in einer „smart“- Infrastruktur mit doppelter Funktion aufzubauen: „Effiziente regionale Selbstversorgung“ und neuartige Versorgungsleistungen für die Metropolen (Luft und Wasserreproduktion, Konversionsflächen mit hoher Biodiversität, regionale Energie und Nahrungsmittel – alles eingebettet in den globalen Stoffstrom).

Zu diesen Umbrüchen braucht es eine digitale parallele Welt, über die wir die Transformation steuern. Es braucht ein Bildungsangebot. So zielt das Projekt auf die Einrichtung einer lokalen, attraktiven, dezentralen und digitalen Bildungslandschaft:

1. Aufbau der lokalen Bildungslandschaft, indem (a) neue Lernorte und informelle Lernwelten nicht nur in der interkommunalen Zusammenarbeit sondern auch in den Dörfern erschlossen werden. Integration von lokalen Kulturvereinen (kulturelle Bildung) und Umweltinitiativen (Bildung für nachhaltige Entwicklung), von Hofläden (gesunde Ernährung) und landwirtschaftlichen Betrieben mit „woofer-Erfahrung“ (ökologische Landwirtschaft), kultur- und bildungstouristische Initiativen, Pioniere der Umgestaltung der Energiewirtschaft sowie internetgestützter Dienstleistungen etc. (b) Einrichtung eines lokalen Bildungsmanagements, welches die Angebote und Lernorte transparent macht, auf der Basis einer lokalen Bildungsstrategie bündelt und fördert und die Bildungsakteure in die Willens- und Entscheidungsfindungen integriert.

2. Entwicklung eines Netzwerkes von Bildungsberatern und Coaches, welches vermittelt, was an regionalen Lernangeboten ist, wo interessante Lernorte sind, was Lernende für die Zukunft brauchen. Dieses Netzwerk stützt sich auf vorhandene Strukturen der Sozialwerke und Wohlfahrtsverbände. Es integriert aber neue Akteure – wie die Bibliotheken, Museen, Dorfhäuser und Vereine wie die freiwilligen Feuerwehren und Sportvereine.

3. Kernprojekt der Bildungslandschaft ist die organisatorische und didaktische Kombination von analogem und digitalem Lernen über eine virtuelle Bildungslandschaft. WhatsApp, Youtube etc. sind schon heute fester Bestandteil vieler Lern-Arrangements von Schülern. Sie organisieren sich per WhatsApp und tauschen Informationen rund um die Schule aus, bilden in Facebook Lerngruppen – in der Zukunft auf Anregung und begleitet durch Lehrer und Coaches. Sie nutzen die zahlreich verfügbaren Lernressourcen auf Youtube um sich auf Tests vorzubereiten. Es entsteht ein lokales Blended-Learning als typisches, zukünftiges Lernarrangements. Wir werden eine Plattform einrichten, die die grundlegenden Funktionsweisen und Prinzipien sozialer Netzwerke aufnimmt. Es ist ein geschlossenes System, das auch einschlägige Forderungen nach Datenschutz nachkommt. Das Spannende: es lassen sich mit der Plattform (angelehnt an das System EDMODO) moderne didaktische Konzepte (z.B. Flipped Classroom) ohne großen Aufwand umsetzen – was in Realprozessen kaum möglich wäre.

4. Es ist naheliegend, dass zu dieser Art Lernkultur neue Formen der Leistungsbewertung nötig sind. Da sich Bildungs- und Lernziele zunehmen stärker auf Kompetenzen orientieren, brauchen wir ein entsprechendes Bewertungs- und Bilanzierungssystem. (Validierungssystem für Kompetenzen) Entsprechend dem DQR (Deutscher Qualifikationsrahmen) sollen damit alle Lerneffekte positiv gewertet und sichtbar gemacht werden.

Eine große Herausforderung wird sein, dass Lernende, Lehrende und bildungspolitische Entscheider anerkennen, dass mobile Endgeräte immer stärker unser Lernen bestimmen. Gerade im ländlichen Raum ist ihre Nutzung deswegen von Vorteil, weil sie orts- und zeitunabhängiges Lernen ermöglichen. D.h. über die Zeit lassen sich auf der Plattform Lernmodule einrichten, die die Lernorte entlasten und Freiräume für spezifische Präsenzveranstaltungen schaffen. Die Voraussetzung für den Einsatz der mobilen Endgeräte – die flächendeckende, leistungsfähige WiFi-Infrastruktur - wird zurzeit geschaffen. In den letzten Jahren hat sich die Anzahl von nativen Lern-Apps ungemein erhöht. Schrittweise werden digitale Lernangebote und Präsenzlernen miteinander verbunden.

Unsere angedachte Bildungslandschaft ist mehrdimensional: Natürlich sind die „zuständigen“ Einrichtungen des Bildungssystems dabei. Wir integrieren aber ebenfalls Einrichtungen und Initiativen, die sich verantwortlich für die Bildungschancen ihrer Zielgruppen fühlen. Das sind die Bibliotheken und Museen, die Kultur- und Kunstvereine, der Offene Kanal, Hofläden, Umweltbildungseinrichtungen u.a. Wir haben es in der Region um den Kummerower See also mit einer Beziehungslandschaft von Einrichtungen und Personen zu tun, die den Anspruch nach gleichen Bildungschancen kooperativ einlösen will. Die lokale Bildungslandschaft steht dafür, dass Bildung als allgemeine „Problemlage“ zugleich auf lokaler Ebene evident bearbeitet wird. Lernen vor Ort ist zugleich Lernen für den Ort. Dieser Zugang ermöglicht Sozialintegration, Erneuerung und Optimierung durch Bürgernähe und – beteiligung.

Entstanden ist die Projektidee in mehreren lokalen Diskursen. Einmal organisierten Jugendliche des Landkreises in Neukalen in diesem Jahr einen Jugendkongress mit der Frage, wie und unter welchen Rahmenbedingungen „gutes Leben“ in 20 Jahren in der Region möglich wäre. In einem offenen Brief an die Bürgermeister der Dörfer und Städte forderten sie eine breite Auseinandersetzung über das Lernen in der Zukunft, über die dazu notwendigen strukturellen aber auch mentalen Herausforderungen.

Arbeitsteilung zwischen Kooperationspartnern

Formaler Träger des Vorhabens und Projektleiter ist das KMGNE – Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung in Neukalen/Karnitz. Es arbeitet paritätisch mit der Projektgruppe Bildungslandschaft zusammen, die sich im Zuge der Visionsarbeit zur Zukunft der Region Amtsbereich Malchin-Kummerower See aus zivilgesellschaftlichen Akteuren bildet. Integriert sind der RUN e.V. Malchin – die Interessengruppe der lokalen Wirtschaft zur Stärkung der Bildung sowie die Fördervereine der Schulen von Malchin und Neukalen. Die PG wird den Kommunikationsprozess zur Netzwerkbildung von Bildungslandschaft und Beraternetz moderieren, Ressourcen zur Gestaltung des lokalen Bildungsmanagements und der Qualifizierungen der BildungsberaterInnen und Coachs akquirieren. Hierzu übernimmt das KMGNE die Funktion des Sekretariats und der Öffentlichkeitsarbeit. Mit den Schulen (F. Greve Gymnasium, Regionalschule, Förderschule, Grundschulen Remplin, Neukalen, Malchin), den Berufsaus- und Weiterbildungen wird detailliert die Digitalisierung von Lerneinheiten geplant und in der e_plattform verankert. Das KMGNE baut diese Plattform mit externer Unterstützung (Virtuelle Akademie der Universität Bremen, sustain) sowie mit dem lokalen know how von Internetdienstleistern im Amtsbereich auf. Das Vorhaben zur Bilanzierung/Validierung von Kompetenzen wird in Kooperation mit dem RQZ-Verbund Professionalisierung der Bildungsberatung und Dialogzentren „Profilpass“ in MV verfolgt.

Visionen

Visionen zur zukünftigen Stadt-Land-beziehung erarbeiteten zurzeit die Bürger der Region. In Verbindung mit modernen Kommunikations- und Transportmitteln werden neue, andere Lebensentwürfe und Berufsmöglichkeiten unter ländlichen Bedingungen entworfen, die bis in die Städte ausstrahlen können. Auch hier ist Bildung ein Hauptthema und zwar aus zwei Perspektiven heraus: 1) Wie lassen sich schulische und außerschulische Lernorte zu Lernwelten vernetzen? 2) Wie lassen sich traditionelle Bildungsträger für digitale Lernräume aufschließen und qualifizieren?
Schlagwörter:
Kategorien:
Anwendungssektor:
Isabel Oostvogel
Sehr geehrter Herr Borner,

wir gratulieren Ihnen zu ihrer Nominierung im Rahmen des Wettbewerbs "Intelligente Regionen Deutschlands"!

Die Digitalisierung der Bildung auf regionaler Ebene stellt sich als entscheidende Komponente der Vernetzung heraus. Sie bildet die Grundlage der Zusammenarbeit, des Austausches sowie des Fortschritts. In gemeinsamer Zusammenarbeit mit den entscheidenden Stakeholdern wird die Bildung vorangetrieben.

Vielen Dank für die Teilnahme.


Beste Grüße
Isabel Oostvogel
Intelligente Regionen Deutschlands