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Best-Practice Projektwettbewerb Ingenium - Vernetzung in Katastrophen
ID 222
von Lukas Dehl 04.11.2015 20:56
Beschreibung:
Das tu project „Prototypenbau und Netzwerksysteme - Anwendungen für die Entwicklungszusammenarbeit“ der TU Berlin setzt sich mit der Kommunikation in Katastrophenfällen wie zum Beispiel Überschwemmungen, Erdrutsche und Lawinen auseinander und entwickelt in Kooperation mit den an der TU Berlin angesiedelten Fachgebieten Luftfahrzeugbau und Leichtbau, Telekommunikationsnetze und dem Fachgebiet komplexe und verteilte IT Systeme spezialisierte Anwendungen hierfür. So wurde ein schnell errichtbares Luftschiff entworfen, welches in der Lage ist die lokale Kommunikation via WIFI anzubieten und aufrecht zu erhalten. Das gefesselte Luftschiff befindet sich außerhalb der Reichweite von Erdbeben und Überschwemmungen und kann mittels eines Meshing-Systems den Betroffenen kontinuierliche Hilfestellungen bieten, ohne das Helfer vor Ort sein müssen. Hierfür wurde extra eine Website und App entwickelt welche die Betroffenen, wie auch die Rettungsdienste und staatliche Organe in gleichem Maße befähigt, organisierte Maßnahmen schnellstmöglich einzuleiten. Somit können Betroffene und Menschen vor Ort angeben, welche Straßen intakt, welche Hilfe benötigt und wo, welche Hilfe bereits geleistet wird. Die Einträge werden analysiert und an die relevanten Stellen weitergesendet, sowie in Karten verzeichnet. Hierdurch kann die Organisation verbessert, unnötige Wege vermieden und Aufbaumaßnahmen schnellst möglich eingeleitet werden. Das System ist so konzipiert, dass es eine sehr geringe Aufbauarbeit benötigt und bis zu einer Woche in der Luft bleiben kann.
Schlagwörter:
Kategorien:
Anwendungssektor:
Gisela Otte-Fuchs
Ein sehr flexibles System, um die Kommunikationswege in Katastrophengebieten aufrechtzuerhalten.
Wäre es eigentlich möglich, großflächig auf der Hülle wechselnde Informationen für die Menschen am Boden einzublenden? Z.B. wann Hilfe kommt oder Verhaltensanweisungen.
Das würde sehr beruhigend für die Betroffenen sein.
Lukas Dehl
Danke für Ihren Kommentar,

Wir arbeiten momentan daran eine möglichst internationale Bildschrift auf der Kommunikationsplattform zu etablieren. Dabei haben wir auch daran gedacht, dass man das Luftschiff, genau wie Sie meinten, gut mit in die Bildsprache integrieren kann. Momentan ist es so, dass wir das Luftschiff so leicht wie möglich halten möchten, somit haben wir uns für die ersten Typen gegen LED´s oder weitere Beleuchtung entschieden. Zudem müssen starke Beleuchtungsmittel gewählt werden, damit ein Zeichen aus weiter Ferne und bei schlechten Wetterverhältnissen gesehen werden kann. Dies benötigt besonders viel Strom und macht somit die Akkus dementsprechend schwerer. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Modellen beleuchtete Symbole wie z.B. Pfeile, welche sichere, oder unsichere Gegenden makieren, integrieren können. Aber genau da wollen wir hin!
Maximilian Rapp
Das ist eine unglaublich interessante v.a. aber vorteilhafte Anwendung. Gibt es hierzu noch nähere Informationen wie das System genau aufgebaut ist?
Lukas Dehl
Sehr geehrter Herr Rapp, danke für die Nachfrage.

Ich habe der Beschreibung ein Datenblatt über die technischen Details der Luftschiffe und der Bodenstation hinzugefügt. Falls Sie dazu detailierte Fragen haben, werde ich gerne noch einmal darauf eingehen.

Weiterhin ist dazu wohl der wichtigste Punkt, dass wir zwei Arten von Luftschiffsystemen entwickelt haben, einmal ein disposable Luftschiff und eine long endurance Version. Das Disposable Luftschiff wird sehr einfach, dennoch stabil hergestellt und kann unter jeden Umständen für kürzere Zeiten (bis zu einer Woche) fehlende Kommunikationswege überbrücken. Diese Luftschiffe werden nicht wieder aus dem Katastrophengebiet geholt, da dieses mit einem sehr hohen Aufwand verbunden wäre. Wir stellen den Betroffenen aber Verwendungsbeispiele für die Ballonhülle, als z.B. Abdeckplane, zur Verfügung und zudem können diese den Router und weitere Technik in ausgewählten Stationen gegen einen Finderlohn, nach einer gewissen Zeit, wieder abgeben.
Das long endurance Luftschiff füllt genau die Lücke, wo längerfristige Kommunikationsbereitstellung nötig ist. Hier werden teurere und robustere Materialien verwendet und das Luftschiff wird alle 24h automatisch zur Bodenstation eingeholt und das Akkupacket komplett gewechselt. Das ausgeworfene Akkupacket wird dann über die nächsten 24h langsam und somit schonend aufgeladen. Das System wird so durch eine vorgeladene Autobatterie in der Bodenstation über mehrere Wochen betrieben. Auch wird das Luftschiff bei zu starkem Wind und Unwettern automatisch in die Bodenstation eingeholt, um es vor den Kräften zu schützen und nach dem Unwetter wieder den Betrieb aufnehmen zu können. Die long endurance Luftschiffe können somit mehrere Einsätze gut überstehen und wiederverwendet werden. Die an den Luftschiffen befestigten Router können ein Meshingnetzwerk aufbauen. Dies hat besonders stabilisierende Vorteile bei Ausfall ein- oder mehrerer Luftschiffe und wir können uns so mit der Platzierung der Luftschiffe immer an örtliche Gegebenheiten anpassen und ganze Regionen versorgen. Das Meshingnetzwerk kann mit dem Internet verbunden werden, aber auch als Ethernet eingesetzt werden.

Der weitere Schwerpunkt des Projekts ist eine Kommunikationsplattform mittels derer sich Betroffene in der Katastrophe verständigen können und die nötigsten Dinge erfahren und mitteilen können.
Die wesentlichen Funktionen der Plattform sind folgende: "Ich weiß", "ich suche", "ich biete" und "Szenarien". Über die "ich weiß"-Funktion können Menschen und Betroffene uns mitteilen, welche Straßen noch befahrbar, welche Wasserleitungen beschädigt, welche Häuser betroffen sind usw. Weiterhin können uns staatliche und nichtstaatliche Institutionen mitteilen wo es Schutzräume etc. gibt. Wir können Somit Krankentransporten und Einsatzkräften Verkehrslagen und mögliche Blockaden mitteilen und so die Zeit zum Erreichen des Einsatzortes verkürzen. Gleichzeitig können Betroffene Informationen von uns erhalten wie z.B. wo sie schutz finden können.
Die "Ich suche" und "ich biete" Funktionen analysieren die Nöte und Hilfsangebote von Menschen und Institutionen aus der Region und übermitteln mittels Matchingverfahren den suchenden Betroffenen die nächst mögliche angebotene Hilfeleistung, abhängig ihrer angegebenen Mobilität.
Hierüber können wir analysieren, welche Regionen ein Über- oder Unterangebot an Hilfsmitteln haben und somit regionale Verteilungsstrategien entwickeln.
Die Funktion "Szenarien" zeigt die bisher gängigen Wege sich auf eine Katastrophe vorzubereiten, sich während einer Katastrophe zu schützen und die Nachbereitung. Gleichzeitig wird auch hier auf statische Hilfen verzichtet und der Betroffene mit einbezogen. Diese Hilfestellungen können von Region zu Region variieren und somit haben wir beschlossen die "Szenarien" zum Umgang mit einer Katastrophe kommentierbar und bewertbar zu machen. Somit kann man nach einer Katastrophe ermessen, welche Hilfen und Ansätze den Menschen in dieser Region am meisten gebracht haben.

Alles soll in einem separaten Bereich für Institutionen und Länder zusammengefasst und analysiert werden. Dadurch können sich Regionen in Zukunft spezifischer auf Katastrophen vorbereiten und längerfristige Maßnahmen in der Infrastruktur und den Vorkehrungen angehen. Gleichzeitig möchten wir mit den Luftschiffen für Ausnahmefälle schon jetzt Lösungen anbieten.
Best-Practice Projektwettbewerb