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Best-Practice Projektwettbewerb Öffentliche Finanzen 2.0
ID 209
von Benedikt Mahr 19.10.2015 16:07
Beschreibung:
Das junge und dynamische Silicon Valley StartUp OpenGov, http://www.opengov.com für welches ich seit über einem Jahr tätig bin, hat es geschafft, eine steigende Anzahl von US Kommunen mit einer der fortschrittlichsten Software für Datenanalyse auszustatten.

Dadurch kann zum Einen die Verwaltung besser anhand historischer und aktueller Finanzdaten wirtschaftliche Entscheidungen treffen und diese Entscheidungen interaktiv präsentieren. Z.B. nutzt der Bürgermeister von Los Angeles bereits OpenGov zur Darstellung des Jahresbudgets. Zum Anderen liefert die Platform auch den jeweiligen Mitarbeitern der Kommunen Zugriff und Übersicht über die eigenen Finanzen als interne Anwendung.

Eine derartige Software as a Service Lösung wäre auch für deutsche Kommunen eine spannende Möglichkeit, um einen besseren Überblick über die eigenen Finanzdaten zu erhalten und sich mit anderen Kommunen anhand der Zahlen messen zu können. Auch können Finanzdaten (und selbstverständlich auch alle übrigen Daten) der Öffentlich in einer klar verständlichen Art und Weise präsentiert werden.

Beispiele von öffentlichen Seiten in den USA sind unter den folgenden Links abrufbar:

https://fortlauderdalefl.opengov.com

https://minneapolismn.opengov.com
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Anwendungssektor:
Lisa Schmidthuber
Eine Plattform zur übersichtlichen Präsentation von Finanzdaten der Kommunen gibt es auch in Österreich. Das österreichische Zentrum für Verwaltungsforschung implementierte vor zwei Jahren den Offenen Haushalt (https://www.offenerhaushalt.at der die Finanzdaten von mehr als 800 österreichischen Gemeinden offenlegt. Visualisierungen ermöglichen, Schulden und Verbindlichkeiten im Zeitverlauf zu beobachten. Zudem geben Kennzahlen-Tests die Möglichkeit, die finanzielle Performance einer Gemeinde zu prüfen.
Isabel Oostvogel
Lieber Benedikt,

vielen Dank für dein interessantes Best Practice.

Gerade im Bereich der Finanzplanung bzw. der offenen Organisation von Finanzströmen in der Politik sind wir in Deutschland noch einige große Schritte entfernt.

Wenn ich das richtig verstehe bietet ihr den politischen Verwaltungen vor Ort direkt an, eure Software für die eigene Haushaltsabrechnung und Darstellung zu verwenden. Für die eigene Verwaltung. Deine Beispiele zeigen die Transparenz nach außen in die Öffentlichkeit. Sind die Daten automatisch auch für BürgerInnen einsehbar bzw. werden diese teilweise vielleicht sogar beteiligt in Entscheidungsströmen?

Wie sieht die Entwicklung hin zu Open Data im Bereich Government in Deutschland aus? Gibt es hier einen ersten Einblick bzw. Erfahrungen, wie sich die Zukunft in Deutschland dahin gehend gestalten kann? Woran könnte die Verschlossenheit und Zurückhaltung liegen und wie siehst du die Chancen?

Vielen Dank für die Einsicht in deine Arbeit. Ein wirklich interessanter Ansatz! Ich bin gespannt, wann wir auch in Deutschland diesen Schritt endlich schaffen.

Beste Grüße,

Isabel
Benedikt Mahr
Liebe Isabel,

vielen Dnak für Dein Feedback. Folgendes zu Deinen Fragen:

Die finanziellen "Rohdaten" (xls- oder csv-Dateien) sind für die Öffentlichkeit nicht einsehbar. Allerdings können auf OpenGov alle Graphen und dazugehörigen Datentabellen als Bilder heruntergeladen werden - einige Kommunen verwenden diese Bilder für ihre Haushaltsberichte.

Bürger werden über OpenGov nicht direkt beteiligt, allerdings können einzelne Anfragen von Bürgern zu bestimmten Ausgaben/Einnahmen seitens der Verwaltung über Versendung eines Links zu einem Graphen, der die angefragten Informationen übersichtlich darstellt, beantwortet werden.

In Deutschland gibt es im Bereich Open Government z.B. die Portale http://www.bundeshaushalt-info.de oder https://www.govdata.de Diese Portale wurden im Auftrag der öffentlichen Hand erstellt, z.T. als Reaktion auf Initiativen der privaten Open Knowledge Foundation.

Besonders auf kommunaler Ebene herrscht in Deutschland jedoch Zurückhaltung, was die Veröffentlichung von Daten anbelangt. Solange keine Pflicht zur Veröffentlichung solcher Daten von Gesetzes wegen besteht (Problem der kommunalen Autonomie), wird sich dies in nächster Zukunft m.E. nicht ändern.

Es wäre jedoch gut denkbar und wünschenswert, dass einige technisch aufgeschlossenen Gemeinden den Schritt nach vorne wagen und sich daraus ein Trend ergibt, dem dann mehr und mehr Kommunen folgen. Derzeit sind wir in Deutschland jedoch weit davon entfernt und im europäischen und internationalen Vergleich hier im Hintertreffen.

Beste Grüße,

Benedikt
Maximilian Rapp
Der Input ist sehr wertvoll, da ich gerade unsere Haushalte in Deutschland noch nicht auf dem Level sehe. Der Schritt "open" zu gehen, wird da noch oft gescheut. Es gibt zumindest die ersten Gehversuche mit Bürgerhaushalten die Bürger aktiv zu integrieren, aber die Nutzung von Open Data steht nochmal auf einem anderen Blatt. Das Interesse bei Projekten wie in L.A. oder auch in Texas bei Texas Transparency ist enorm und zeigt eine klare Marschrichtung m.E.
Danke für den Beitrag!
Best-Practice Projektwettbewerb